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Impressum
 
 
Titelgeschichte Ausgabe Nr. 26
„Ohne Fleisch. Mit Genuss”



Immer mehr Menschen ernähren sich vegetarisch, schlemmen auf höchstem Niveau und fühlen sich prima dabei.

Es werden immer mehr
Etwa 4.000 Menschen werden, so eine Berechnung des Vegetarier-Bund Deutschlands e.V. (VEBU), jede Woche in Deutschland zu Neu-Vegetariern. Um die7,5% der Bevölkerung ernähren sich derzeit vegetarisch. Zum Vergleich: 1983 waren es nur etwa 0,6%. Die Zahl der vegetarisch lebenden Menschen hat sich also in knapp 20 Jahren weit mehr als verzehnfacht. Noch wesentlich höher liegt die Zahl der Menschen, die ihren Fleischkonsum radikal reduziert haben. Der Glaube an "Fleisch als ein Stück Lebenskraft" ist durch den BSE-Skandal und erschütternde Bilder über industrielle Massentierhaltung gründlich erschüttert worden.



Warum?
"Ich esse nichts, was Augen hat", so das Credo der ethisch motivierten Vegetarier. Dass Tiere nicht denken, sehr wohlaber fühlen können und der Mensch nicht das Rechthat, sie zu benutzen, ist ein wichtiges Motiv für vieleMenschen.

Im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung spricht vieles für einen vegetarischen Lebensstil: Auf einem Hektar Land können 22.500 Kilo Kartoffeln angebaut werden – oder 185 Kilo Rindfleisch erzeugt werden. Die Tierrechtsorganisation PETA errechnete, dass die Produktion eines einzigen Hamburgers genauso viel fossilen Brennstoff verbraucht, wie ein Kleinwagen für eine Fahrt von 32 Kilometern und die Menge Wasser, um17 Mal zu duschen.



Andere sind aus rein persönlichen Motiven Vegetarier: Sie berichten, dass sie sich einfach besser fühlen, seitsie ihre Ernährung umgestellt haben: leichter, fitter, unbelasteter.

Veggies im Trend
"Veggie sein" kommt gerade richtig in Mode. Das liegt nicht zuletzt daran, dass sich immer mehr Musiker und Schauspieler als Vegetarier "outen". Prominente Vegetarier vergangener Zeiten waren u.a. Pythagoras, Jean-Jacques Rosseau, Albert Schweitzer, Albert Einstein und Mahatma Gandhi. Aber: "Um Vegetarierzu sein, muss man nicht wissen, ob Jesus oder Buddha uns in dieser Lebensweise vorangegangen sind. Es genügt, dass man selbst gute Gründe für sie hat und seiner eigenen Einsicht folgt", kommentierte K.A. Köppl bereits 1966 in der Zeitschrift "Der Vegetarier".



ovo-lakto-Vegetarier, -in
Essen kein Fleisch und keinen Fisch, aber tierische Produkte wie Eier, Milch und Milchprodukte. Zahlenmäßig der größte Anteil unter den Vegetariern.

lakto-Vegetarier, -in
Essen kein Fleisch, keinen Fisch und keine Eier, aber Milch und Milchprodukte.

Veganer, -in
Verzehren keinerlei tierische Produkte, auch z.B. keinen Honig. Viele verwenden generell keine tierischen Materialien, wie Leder oder Daunen. Die kleinste, aber stetig wachsende Gruppe unter den Vegetariern!

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"Ich habe früher gerne Fleisch gegessen"
Interview mit Charlotte



Charlotte Wassmann ist 12 Jahre alt. Sie lebt mit ihren Eltern, Bruder Max und Hamster Jamy in Hannover. Seit gut zweiJahren ist sie Vegetarierin.

Bioboom: Warum hast du damals aufgehört Fleisch zu essen?

Charlotte: Also, mir taten die Tiere einfach zu leid. Eigentlichhabe ich früher gerne Fleisch gegessen. Am Anfang habe ich esauch ein bisschen vermisst!

Bioboom: Isst du Milch und Eier, oder bist du Veganerin?

Charlotte: Doch, Käse esse ich, aber reine Kuhmilch vertrage ich nicht, deshalb trinke ich lieber Sojadrink aus dem Bio-Laden.

Bioboom: Gab es schon einmal Situationen, in denen es für dich blöd war, kein Fleisch zu essen, auf Geburtstagspartys oder so?

Charlotte: Nein, eigentlich nicht. Meine Freundin ist auch Vegetarierin, da gibt es an ihrem Geburtstag immer Nudeln!

Bioboom: Wie ist das in eurer Familie?

Charlotte: Meine Mutter ist die einzige hier, die noch Fleisch isst! Mein Vater verträgt es einfach nicht und mein Bruder Max ist vor einem Jahr auch Vegetarier geworden. Plötzlich hat ihm die Bratwurst einfach nicht mehr geschmeckt, die er vorher noch so gern mochte.

Bioboom: Hat schon mal jemand versucht, dich davon abzubringen, weil es ungesund sei?

Charlotte: Nein, noch nie. Aber meine Mutter passt schon auf, dass Max und ich die richtigen Sachen essen. Sie hat uns ganz klar gesagt, wenn wirkein Fleisch essen, können wir das Gemüse jedenfalls nicht auch noch weglassen. Dabei esse ich, ehrlich gesagt, ziemlich wenig Gemüsesorten richtig gerne...

Bioboom: Welche denn?

Charlotte: Paprika, Tomaten, rohe Möhren und rohe Champignons!

Bioboom: Und was ist dein Lieblingsessen?

Charlotte: Pfannkuchen! Und Spaghetti.

Dankeschön, Charlotte!

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Veggies leben gesünder
Noch vor einigen Jahrzehnten beschäftigte sich die Schulmedizin fast ausschließlich damit, Vegetarier auf die angeblich vielen möglichen Mangelerscheinungen ihrer Ernährung aufmerksam zu machen.



Medizinische Studien zur vegetarischen Ernährung befassten sich sehr intensiv mit allen möglichen Vital- und Nährstoffen. Dies führte dazu, dass die vegetarische Ernährung in vielen Detailfragen weit gründlicher erforscht wurde als die gewöhnliche fleischorientierte Ernährung. Als man dann merkte, dass vegetarische Ernährung bei den meisten Vitaminen und anderen Vitalstoffen tatsächlich sogar besser abschnitt, begann man in den neunziger Jahren, sich endlich auch mit den gesundheitlichen Vorzügen dieser Ernährungsweise zu befassen.

Die ADA (American Dietetic Association) ist die größte US-amerikanische Vereinigung von Ernährungsexperten. Ihre Aussagen gelten als wissenschaftlich fundiert und wegweisend. 2003 kam sie in ihrem aktuellen Positionspapier zu dem Schluss: "Es ist die Position der ADA, dass eine entsprechend geplante vegetarische Ernährung gesund und ernährungsmäßig ausreichend ist und gesundheitliche Vorteile bei der Vorbeugung und Behandlung bestimmter Krankheiten bietet." Damit ist ausdrücklich auch eine vegane Ernährung gemeint.

In Deutschland kamen die Vegetarier-Studien der Universität Gießen, des Krebsforschungszentrums Heidelberg und des Bundesgesundheitsamtes in Berlin zu ähnlichen Ergebnissen: Sie stellten u.a. fest, dass Vegetarier in der Regel gesünder sind, länger leben und seltener an Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs sterben.



Jetzt umsteigen? Kein Problem!
Es ist nicht kompliziert, sich gesund und gut vegetarisch zu ernähren. Sie müssen auch nicht mit Nährwert-Tabellen jonglieren, wenn Sie die allseits bekannten Grundsätze beachten: Naturbelassene, vitalstoffreiche Bio-Produkte, viel Obst und Gemüse – Sie wissen schon!

Noch Fragen?
Kann ich mein Kind vegetarisch ernähren? Worauf muss ich achten, wenn ich Fertigprodukte kaufe? Ich bin schwanger, bekomme ich als Vegetarierin genug Nährstoffe? Gibt es eigentlich vegetarische Bratwurst?



Der Vegetarier-Bund Deutschlands e.V. (VEBU) bietet ein umfassendes Informationsangebot rund um das Thema vegetarisch leben. Er führt Kampagnen wie die "Aktion fleischfrei " oder "vegetarisch unterwegs" durch und ist die größte Interessenvertretung für vegetarischen Lebensstil in Deutschland. Die Mitgliederzeitschrift des VEBU "natürlich vegetarisch" ist jetzt auch für Nicht-Mitglieder im Bahnhofsbuchhandel erhältlich.

www.vegetarierbund.de
www.vegetarisch-einkaufen.de
www.vegan.de

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Interview
"Du sollst nicht töten – das muss für alle Lebewesen gelten"

Helle Wiese ist 75 Jahre alt und lebt in Hamburg. Er ist seit 50 Jahren Vegetarier und das dienstälteste Mitglied des Vegetarierbund Deutschlands e.V.



Bioboom: Warum sind Sie Vegetarier geworden?

Helle Wiese: Das war 1946, und zwar durch eine Auseinandersetzung mit einem Pastor über das fünfte Gebot "du sollst nicht töten". Nach der schrecklichen Kriegszeit hieß es doch "nie wieder Krieg" – damals wurde mir klar, dass das für alle Lebewesen gelten muss. Deshalb esse ich kein Fleisch und keinen Fisch. Ich bin kein Veganer, denn Käse habe ich immer im Hause und Eier esse ich gelegentlich auch. Dass man Pflanzen tötet, um satt zu werden, darauf kann man nicht verzichten.

Bioboom: Waren Sie damals als Vegetarier nicht ein Exot?

Helle Wiese: Aber ja, Vegetarier kannte ich selbst nur aus Karikaturen! In der Nachkriegszeit wurde natürlich generell wenig Fleisch gegessen. Meine Eltern tauschten ihre Fleischmarken gegen solche für Nährmittel, dadurch konnte man besser satt werden. In Hamburg kannte ich Ende der 40er Jahre nur zwei weitere Vegetarier. Das war auch der Grund, warum ich 1947 in die Vegetarier Union (Vorläufer des heutigen VEBU, Anm. d. Red.) ging, um mich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Bioboom: Sie sind aus ethischen Gründen Vegetarier geworden. Glauben Sie, dass es auch sonst Vorteile hat? Helle Wiese: Aber sicher. Das gesunde Leben und die viele Bewegung haben mich vor Krankheiten bewahrt. Meine letzte Bronchitis hatte ich in den 50er Jahren!

Bioboom: Sie sind ja auch Autor – Ihr Buch "Wandern – mit Rucksack, Fahrrad und Boot" liegt schon in der 4. Auflage vor. Wie viel wandern Sie im Jahr?

Helle Wiese: Vor einigen Jahren waren es im Schnitt noch 1.000 Kilometer. Seit ich ein künstliches Hüftgelenk habe, musste ich erstmal reduzieren. Heute mache ich viele Strecken im Kajak, da muss man nicht alles schleppen.

Bioboom: Wie ist das für einen Vegetarier auf Reisen?

Helle Wiese: Da gibt es eigentlich keine Probleme. Ich übernachte häufig in Jugendherbergen und da gibt es auf Nachfrage immer ein vegetarisches Essen. Außerhalb Deutschlands kann man sich in den Jugendherbergen selbst etwas kochen, da ist man unabhängig. Also, selbst in Grönland oder Estland bin ich gut zurecht gekommen!

Bioboom: Wo kaufen Sie Ihre Lebensmittel ein?

Helle Wiese: Im Reformhaus, Bio-Laden oder auf dem Markt direkt von den Erzeugern. Auf Reisen kaufe ich einfach nach Augenschein bei den Bauern, die mir beim Wandern positiv auffallen. Das funktioniert sehr gut. Bioboom: Verraten Sie uns Ihr Lieblingsessen? Helle Wiese: Kartoffelpuffer – seit jeher!

Bioboom: Vielen Dank für das Gespräch!

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