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Fair play Bessere Lebensbedingungen für die Produzenten, bessere Produkte für Konsumenten: Beim fairen Handel gewinnen alle Beteiligten. Gerechte Handelsbeziehungen sind auch ein Gründungsideal der Bio-Branche. ![]() Ein besseres Leben für die Produzenten Im Zentrum steht das Ziel, die Lebensbedingungen der Produzenten in der so genannten Dritten Welt zu verbessern. Besonders benachteiligt sind in der Regel zwei Gruppen: Kleinbauern und Plantagenarbeiter. Für die (oft in Genossenschaften zusammengeschlossenen) Kleinbauern geht es vor allem darum, angemessene Preise für die Produkte und langfristige Lieferverträge zu bekommen. Für Plantagen- und Fabrikarbeiter stehen neben gerechter Entlohnung vor allem menschenwürdige Arbeitsbedingungen und soziale Absicherung im Vordergrund. Neben garantierten Preisen und Ab-nahmemengen erhalten die Produzenten in der Regel einen zusätzlichen Aufschlag. Wichtig ist, dass die Beteiligten direkt und demokratisch entscheiden können, was mit dem Geld passiert, welche Projekte (von der Schule bis zum Traktorkauf) verwirklicht werden sollen. ![]() Importeure verpflichten sich zur Transparenz Die Verbindung zwischen Produzenten und Absatzmärkten im Ausland stellen Importeure her, die sich zur Offenlegung und unabhängigen Kontrolle ihrer Waren- und Geldströme verpflichtet haben. In Europa wird die Ware dann gegebenenfalls weiterverarbeitet. Sowohl die Importeure als auch die Verarbeiter werden von der FLO (Fair Trade Labelling Association, s. u.) kontrolliert. TransFair Gütesiegel für den fairen Handel Im Verein TransFair e.V. sind rund 40 Organisationen aus Kirche, Entwicklungsarbeit, Verbraucherschutz, Umwelt und Bildung zusammengeschlossen. Seit seiner Gründung im Jahr 1992 hat der Verein über 500 Produkte "gesiegelt", 42% der Bevölkerung kennen das TransFair-Siegel. TransFair handelt nicht selber, sondern vergibt das Siegel auf Basis von Lizenzverträgen und betreibt Öffentlichkeitsarbeit. Wo TransFair draufsteht, ist fair gehandelt drin. Allerdings muss ein Fair Trade Produkt ohne TransFair-Siegel nicht zwangsläufig unseriös sein (s.u.). ![]() Öffentlichkeit schaffen Nur wenn es gelingt, den Weg der goldgelben Banane, des schicken neuen Fuß-balls anschaulich zu machen, wird Fair Trade zu einem konkreten Faktor, der Mehrwert ist. Von der "Bewusstseins-Bildungsarbeit" am Aktionstisch der Solidaritätsgruppe zur "fair feels good" Kampagne der Verbraucherzentralen, die auf prominente Vorbilder aus Sport und Fernsehen setzt: Der Faire Handel braucht Öffentlichkeit. Intensive Informationsarbeit in Europa ist so wichtig, wie die Arbeit in den Ländern vor Ort. Über 30 Jahre fairer Handel: Aus der Nische ins breite Verbraucherbewusstsein Ähnlich wie die Kampagnen-Arbeit haben sich auch die Produkte verändert. Fair Trade Produkte kosten Geld, mehr Geld als andere. "Mitleidskäufe" sind passé, Käufer erwarten Qualität. Und die bekommen sie: Gerade fair gehandelte Produkte werden in kleinen Strukturen individuell, oft ökologisch und mit viel Engagement produziert. Das merkt man. In über 22 000 Verkaufsstellen in Deutschland gibt es fair gehandelte Produkte. Rund 25% aller Deutschen sind laut Umfragen "regelmäßige" bis "gelegentliche" Käufer, weit über ein Drittel hält die Idee des fairen Handels für unterstützenswert (allerdings ohne die Produkte zu kaufen). Übrigens: Auch dieser Markt ist nicht frei von Konkurrenz. Kommerzielle TransFair-Lizenznehmer, Import- und Handelsorganisationen wetteifern um Regalplätze. Der faire Handel ist erwachsen geworden. ![]() Öko und Fair: Zwei, die zusammen gehören 70% aller Schädlingsbekämpfungsmittel, die in Entwicklungsländern eingesetzt werden, landen auf Kaffee, Tee, Zucker, tropischen Früchten etc., also Produkten, die für den Export angebaut werden. Ein südamerikanischer Plantagenarbeiter ist im Durchschnitt 13 Mal häufiger Vergiftungen durch Pestizide ausgesetzt, als einer nordamerikanischer Landarbeiter. Eine intakte Umwelt und menschenwürdige Lebensbedingungen, sie sind nicht isoliert voneinander denkbar. Entsprechend legt der faire Handel immer mehr Wert auf umweltverträgliche Produktion im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung. Ökologische Mindeststandards zum Schutz von Wasser und Wäldern, restriktiver Umgang mit Pestiziden, sparsamer Umgang mit Ressourcen finden sich in jedem "fairen" Kriterien-Katalog. Umgekehrt blendet "Bio" den sozialen Aspekt nicht aus: Die Produktions- und Verarbeitungs-Standards der IFOAM (International Federation of Organic Agriculture Movements, die Dachorganisation des Öko-Landbaus) schreiben fest, dass soziale Gerechtigkeit und soziale Rechte ein integraler Bestandteil der ökologischen Landwirtschaft sind. Das Konzept "Öko & Fair" kommt gut an: Bereits 42% aller TransFair-Produkte sind auch zertifizierte Bio-Produkte Tendenz steigend. Kein Wunder, erreichen doch Bio- und faire Produkte dieselbe Zielgruppe: Menschen, die Genuss mit einem guten Gewissen vereinbaren wollen, sich durch Transparenz und Information überzeugen lassen und den Mehrwert Nachhaltigkeit gerne mit ein paar Cent mehr beim Einkauf honorieren. ![]() Mit dem Einkaufskorb die Welt verändern? Der faire Handel in Deutschland bietet hervorragende Produkte, ist wirtschaftlich erfolgreich und erfreut sich einer breiten gesellschaftlichen Akzeptanz. Aber ist er ein Beitrag dazu, die globalen Strukturen nachhaltig zu verändern, oder nur ein Tropfen auf den heißen Stein, ein Alibi für die Wohlhabenden? Dem Plantagenarbeiter, der kein Gift mehr sprühen muss, der Familie, die ihre Kinder zur Schule schicken kann, dem Kleinbauern, der endlich genug für den Lebensunterhalt verdient, dürfte diese Diskussion egal sein. In dreißig Jahren hat der faire Handel die Lebensbedingungen von zehntausenden von Menschen nachhaltig verbessert. Durch Ihr Einkaufsverhalten entscheiden Sie, welche Art des Wirtschaftens Ihr Geld unterstützt, wohin es fließt, wem oder was es zugute kommt. Ob der Einzelne die Welt verändern kann, wird kontrovers diskutiert, dass Geld es kann, da sind sich alle einig. Insofern beteiligen Sie sich mit jedem Cent, den Sie ausgeben, an einer globalen Abstimmung über die Welt von morgen. Gerechte Beziehungen zwischen (Bio-)Produzenten und Handel: Auch ein deutsches Thema? Beim Lebensmitteleinkauf schauen die Deutschen auf den Preis. Lebensmitteleinzelhändler unterbieten sich in einer Abwärts-Spirale. Dieser Druck geht auch an Bio-Produzenten nicht vorbei. Bio-Milch im Discounter für 79 Cent ist nur ein Beispiel für diese Entwicklung. Die deutschen Milchbauern stehen unter Druck: Sinkende Erzeugerpreise und steigende Betriebskosten führen dazu, dass immer mehr Betriebe aufgeben müssen. Um dieser Entwicklung entgegenzutreten bietet die Upländer Bauernmolkerei eine "Erzeugerfair"-Milch an. Ein Aufschlag von 5 Cent pro Liter kommt direkt den Bio-Bauern zugute sozusagen das erste Fair Trade Produkt aus Deutschland für den deutschen Markt. ![]() Bio-Branche für gerechtes handeln Gerechtes Handeln vom Erzeuger bis zum Kunden, das gehört zu den Gründungsidealen der Bio-Branche. Klar, dass Naturkostläden zu den ersten Verkaufsstellen für fair gehandelte Produkte in Deutschland gehörten. Naturkost-Firmen, die Kaffee, Tee, Ka-kao, Nüsse, Trockenfrüchte etc. aus Übersee beziehen, können oft auf über Jahrzehnte gewachsene partnerschaftliche Beziehungen zu Produzenten verweisen, ohne dass diese Tatsache offensiv vermarktet würde. Denn: Bio-Anbau erfordert Wissen und Sorgfalt, Menschen, die motiviert und engagiert sind. Das klappt nur, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. So bietet der Tee- und Kräuterspezialist Lebensbaum einerseits Kooperativen-Kaffee mit dem TransFair-Siegel, aber auch demeter-Kaffee von der Finca Irlanda. Dort beteiligte sich Lebensbaum am Aufbau einer Schule. Rapunzel schuf mit "Hand in Hand" ein firmeneigenes faires Gütezeichen, die Kriterien orientieren sich an denen der IFOAM, Hand-in-Hand-Arbeit lässt Rapunzel von unabhängigen Gutachtern überprüfen.
Strukturen | Siegel | Organisationen So funktioniert der faire Handel Auf dem Terrain des fairen Handels tummelt sich mittlerweile eine Vielzahl von Akteuren. Richtlinien und Logos unterscheiden sich im Detail, die Prinzipien sind aber beim "klassischen" fairen Handel stets die gleichen. ![]() Whos who im "klassischen" Fair Trade FLO Fair Trade Labelling Association Die Dachorganisation von 17 nationalen Siegelinitiativen. IFAT International Federation for Alternative Trade. Weltweites Netzwerk von Fair-Trade-Organisationen. Mit über 200 Mitgliedern von allen Kontinenten ist die gesamte Kette des fairen Handels repräsentiert. NEWS! Network of European World Shops Der europäische Dachverband der Weltläden. EFTA Zusammenschluss von Fair Trade-Organisationen aus neun europäischen Ländern. FINE Das Netzwerk von FLO, IFAT, NEWS! und EFTA
Fair Genießen Die Qualität stimmt Schokolade, Tee und Kaffee, Bananen und Orangen, Honig, Gewürze und Nüsse jedes Jahr sind mehr Lebens- und Genussmittel aus fairem Handel bei uns erhältlich. Aktuell stellte TransFair fair gehandelte Bio-Weine aus Südafrika vor. "Guter Wein und nachhaltiges Wirtschaften, das ist unser Ideal", erklärte Importeur Peter Riegel. ![]() Teppiche Pionier Rugmark feiert Erfolge gegen Kinderarbeit Zehn Jahre nach seiner Gründung überwacht RUGMARK, das Siegel für kinderarbeitsfreie Teppiche, 65% der nepalesischen und 25% der indischen Teppich-Produktion. So konnte die Ausbeutung von Kindern in den dortigen Teppichknüpfereien entscheidend zurückgedrängt werden. Allein in Deutschland wurden in den letzten 10 Jahren 3,5 Millionen Rugmark-Teppiche verkauft. Blumengrüße fair von Herzen Schnittblumen für den deutschen Markt werden in afrikanischen und südamerikanischen Ländern unter hohem Pestizid-Einsatz hergestellt, die Arbeitsbedingungen für die meist weiblichen Arbeitskräfte spotten oft jeder Beschreibung. Das Flower Label Programm legt soziale und ökologische Standards für den Schnittblumen-Anbau fest. Zirka 55 Plantagen in Kenia, Simbabwe, Tansania, Ecuador und Kolumbien haben das FLP-Siegel. Nicht viele. Aber ein Anfang ist gemacht. ![]() Fußbälle Oft kein Fair Play bei der Herstellung 650 feine Stiche braucht es, um einen Fußball zusammenzunähen. Oft wird diese Arbeit von Kindern gemacht, die in Deutschland gerade mal alt genug für die Kindergruppe im Sportverein wären. Kein schönes Image für die "schönste Nebensache der Welt". Das weltweite Zentrum der Fußballproduktion liegt in Pakistan 80% aller Fußbälle werden dort gefertigt. Im April präsentierte Ex-Nationalspieler und Werder Bremen Geschäftsführer Klaus Allofs den TransFair-Fußball, der in einer FLO-zertifizierten Produktionsstätte gefertigt wird. 15% des Herstellpreises fließen in Sozialprojekte vor Ort.
Bio+Fair im Internet www.transfair.org Die Seiten des Vereins, der das deutsche TransFair-Siegel vergibt, mit vielen Informationen, Produktvorstellungen und Hintergrundberichten www.fairtrade.net Englische Seiten der Fairtrade Labeling Organisation (FLO), übersichtlich, gute Basis-Infos www.banafair.de Banafair e.V. importiert und vertreibt Bananen von Kleinproduzenten, die ihre Früchte unabhängig von multinationalen Konzernen produzieren und vermarkten. www.oeko-fair.de Das Portal zum Thema öko-faires Handeln www.fair-feels-good.de Internetauftritt der Informationskampagne zum Fairen Handel, getragen von der VERBRAUCHER INITIATIVE e.V. in Kooperation mit TRANSFAIR e.V. und dem Weltladen-Dachverband, gefördert vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung- www.weltlaeden.de Informationen über Weltläden bundesweit und den fairen Handel
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