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Bioboom || Themen
 
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Impressum
 
 
Titelgeschichte Ausgabe Nr. 28
Jetzt noch billiger? – Alles hat seinen Preis

Nirgendwo in Europa sind die Lebensmittelpreise so niedrig wie in Deutschland. Gleichzeitig gilt Deutschland auch als der größte Absatzmarkt für Bio-Produkte in Europa. Bioboom stellt fest: Alles hat seinen Preis. Allerdings steht der nicht immer auf dem Kassenbon.



Weniger Geld für Lebensmittel
Nur noch 12% ihres Einkommens geben die Bundesbürger durchschnittlich für Lebensmittel aus. In den 70er Jahren waren es noch knapp 30%, in den 50er Jahren sogar noch mehr als 40%. Während das Durchschnittseinkommen kontinuierlich an-stieg, stiegen die Lebensmittelpreise nur unterdurchschnittlich. Zum Vergleich: Seit 1996 wurden Lebensmittel jährlich um 0,8% teurer, während die Preissteigerung bei den Freizeit- und Kulturdienstleistungen 25% betrug!

Ernährungsgewohnheiten ändern sich
Mehr Single-Haushalte, weniger Familien, mehr Hektik im Alltag: Die gemeinsame warme Familienmahlzeit in der Woche ist mittlerweile die Ausnahme, nicht die Regel. 80% der 20 bis 35-jährigen sagen von sich, dass sie nicht mehr "richtig kochen" könnten. Immer mehr Convenience-, Snack- und Fertigprodukte wandern in den Einkaufswagen.



Nochmals im Preis gesenkt!
Der Wettbewerbsdruck, den die Discounter in immer neuen Preiskriegsrunden aufeinander ausüben, ist enorm. Immer wieder geraten Handelskonzerne in den Verdacht, Produkte unerlaubterweise noch unter ihrem eigenen Einkaufspreis zu verkaufen. Verarbeiter und Landwirte produzieren zu vorgegebenen Abnahmepreisen – oder fliegen aus dem Regal. In den erzeugenden Unternehmen führt das zu Rationalisierung (mit dem damit verbundenen Verlust von Arbeitsplätzen), generell zu einer Industrialisierung der Lebensmittelproduktion.

Absurdes Preisgefüge
Frische Produkte sind oft teurer als aufwändig verarbeitete und verpackte, Obst aus Übersee gün-stiger als das vom Bauern nebenan. Im August dieses Jahres randalierten in Frankreich Bauern in deutschen Discountern (die derzeit auf den französischen Markt drängen). Denn sie verkauften Birnen, Äpfel und Kirschen aus Südamerika, China und Polen zu Preisen, mit denen die einheimischen Bauern nicht konkurrieren können.



Was kostet ein Schnitzel?
Die Lebensmittelpreise im Discounter bilden nicht die realen Kosten ihrer Produktion ab. Aber was kostet ein Schnitzel wirklich? Dieser Frage ging die Verbraucherorganisation Foodwatch gemeinsam mit dem Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) aus Berlin nach. Das Ergebnis lässt sich so zusammenfassen: Wenn die Entstehungskosten von einem Kilo konventionellen und einem Kilo Öko-Schnitzel verglichen werden, entstehen beim konventionellen Fleisch vier mal mehr Treibhausgase und es wird ein Viertel mehr Energie verbraucht. Die erhöhten Kosten für die Umweltbelastung durch Stickstoff- und Phosphateintrag ins Grundwasser trägt die Allgemeinheit über Steuergelder. Fazit: Wenn die realen Kosten der Erzeugung betrachtet würden, müsste der Preisunterschied zwischen Bio- und konventionellem Fleisch von derzeit fast 60% auf 20% schrumpfen.



Aroma statt Erdbeere
Wer billige Lebensmittel anbietet, lässt billig pro-duzieren. Die Qualität kann dabei leicht auf der Strecke bleiben. Teure Ausgangsrohstoffe werden möglichst durch billige ersetzt. Aromen ersetzen im Joghurt die Erdbeere und in der Tütensuppe das Huhn. Wasser und Bindemittel machen die Wurst schnittfest und in die Schokolade kommt Pflanzenfett statt Kakaobutter. Alles soweit okay – hier soll nicht die Zwangs-Bioverkostung der Republik gepredigt werden, schließlich können ja alle die Zutatenliste lesen. Aber…

Lebensmittel-Skandale: Die Fortsetzung des Qualitätsverlusts mit anderen Mitteln
…strecken, panschen, dopen, kostentrei-bende Vor--schriften nicht so eng sehen: Immer wenn die Grenze zwischen Lebensmittelramschproduktion und Kriminalität überschritten wird und jemand dahinter kommt, dann gibt es einen Lebensmittelskandal (eine kleine Historie anbei). Wenn dabei dann öffentlich wird, wie bestimmte Lebensmittel (z.B. Fleisch) ganz normal "produziert" werden, sind das Entsetzen und der Ekel oft groß. Dennoch: Zu nachhaltigen Verhaltensänderungen führen Lebensmittelskandale nicht. Schuldige räumen Stühle, Kontrollen werden verschärft, Werbekampagnen für das betroffene Lebensmittel suggerieren, dass jetzt alles wieder in Ordnung wäre und so sicher wie nie zuvor. Bereits ein gutes Jahr nach dem ersten offiziellen BSE-Fall in Deutschland war der Rindfleischkonsum wieder auf dem Vorkrisen-Niveau. Die Erkenntnis, dass "gut" und "billig" bei Lebensmitteln nicht wirklich zusammengehen, auf das eigene Einkaufsverhalten umzusetzen: Das fällt schwer.



Bio wächst stärker als Discounter
Dennoch gibt es Verbraucher, die umdenken: Der Umsatz mit Bio-Produkten wächst stetig und liegt über dem Zuwachs, den die Discounter verzeichnen können. Marktforscher glauben, dass zirka die Hälfte der Bevölkerung für Bio-Produkte prinzipiell zu interessieren ist. Die Frage, ob sich jemand Bio-Produkte leistet oder nicht, ist offensichtlich weniger eine Frage des Einkommens, sondern eine der Priorität. So gibt es durchaus Studenten oder junge Familien mit wenig Einkommen, die überdurchschnittlich viele Bio-Produkte kaufen. Die Frage lautet wohl nicht: Kann ich mir Bio leisten? Sondern: Will ich mir Bio leisten? Oder auch: Gebe ich mein Geld für mich aus oder für mein Auto?

Billig-Bio im Discounter
Etliche Discounter bieten mittlerweile ein Basis-Sortiment an Bio-Produkten an. Experten sehen das mit gemischten Gefühlen: So werden Menschen erreicht, die nicht im Bio-Laden einkaufen. Dennoch: die Mechanismen bei Einkauf und Produktion funktionieren hier nicht anders als bei anderen Discounterprodukten. Wieviel Preiskampf verträgt Bio?



Teurer Bio-Laden?
Also, wenn Sie bis hierhin gelesen haben, dann wissen Sie, dass wir davon überzeugt sind: Bio gibt es nicht zum Nulltarif, von nichts kommt nichts und Qualität hat ihren Preis. Trotzdem noch ein Wort zum Sparen: Vergleichen lohnt sich! Im Bio-Laden sind Bio-Produkte nicht automatisch teurer, häufig ist das Gegenteil der Fall. So kosten 100 g frischer Tofu aus der Kühltheke in unserem vergleichsweise nicht immer sooo billigen Bio-Laden nur 0,57 Euro, während der Tofu im Glas (laut Tofumachern sowieso ein Unding) aus dem Supermarkt mit immerhin 1,38 Euro/100 g dabei ist.

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Jetzt Günstig zugreifen!
Fast die Hälfte ihres Lebensmittelbedarfs decken die Deutschen in Discountern, bieten sie doch Preise zum Staunen. [Stichprobe August 2005, Discounter in Hannover, Preise in Euro]
 
Tomaten
Aus der Dose 0,86
 
Frische Tomaten
1 kg 0,89
 
Kartoffeln
1 kg 0,24
 
Kartoffelbrei
3 Liter 0,95
 
Sonderangebot
Schweinekoteletts
100g 0,43
 
Salamiaufschnitt
100g 0,79
 
Hundesnack
100g 0,78
 
Katzenfutter
100g 0,48

Äpfel
1 kg 0,99
 
Apfelsaft
1 Liter 0,45

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25 Jahre Dauerhaft im Sortiment!

1980

Hormone im Kalbfleisch
Obwohl in Deutschland die Anwendung von Hormonen in der Tiermast seit 1958 verboten ist, wird in Kalbfleisch das synthetische Hormon DES (Diethylstilböstrol) entdeckt.
 
1981
giftiges Olivenöl
Kriminelle Geschäftemacher in Spanien strecken Olivenöl mit giftigen Industrieschmierstoffen: Hunderte Menschen sterben, ca. 20000 erkranken.
 

 
1985
Glykol im Wein
Österreichische und deutsche Winzer päppeln billigste Rebware mit süß schmeckendem Diethylenglykol zu Qualitätsweinen hoch. In den verwendeten Dosen kann die sonst als Frostschutzmittel benutzte Chemikalie zu Schäden an Gehirn und anderen Organen führen.
 
1987
Würmer im Fisch
Ein Fernsehbericht deckt auf, dass im Fleisch zahlreicher Speisefische Würmer wimmeln. Der dadurch verursachte Absatzeinbruch motiviert die Fischindustrie, strenge Kontrollen einzuführen.
 
1987
BSE-Krise beginnt
In Großbritannien tauchen die ersten von "Rinderwahnsinn" befallenen Kühe auf. Übertragungsursache: Tiermehl im Wiederkäuer-Futter. Über Jahre versuchen Fleischindustrie und Regierung, die Epidemie zu verschleiern. Bis Ende der 90er Jahre schließlich entschlossen gegen die Seuche vorgegangen wird, hat sie sich über ganz Europa verbreitet.
 


2000
BSE auch in Deutschland
In Schleswig-Holstein wird offiziell das erste BSE-kranke Rind entdeckt, das in Deutschland geboren wurde. Der Mythos vom "BSE-freien Deutschland" zerplatzt. Der deutsche BSE-Skandal löst den bisher größten Bioboom aus.
 
2002
Nitrofen in Futtermittel
Ein Produzent von Bio-Futtermitteln lagert Getreide in einer Halle, in der zu DDR-Zeiten das hochgiftige Pflanzenschutzmittel Nitrofen gelagert wurde, Eier und Geflügelfleisch werden zurückgerufen.
 
2005
Fleisch: immer wieder frisch
Eine Supermarktkette gerät ins Visier der Staatsanwaltschaft, als bekannt wird, dass Mitarbeiter abgelaufenes Fleisch einfach umetikettierten und neu zum Verkauf anboten.
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