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Titelgeschichte Ausgabe Nr. 33
Jobmotor "Bio"
Nachhaltiges Wachstum schafft und sichert 160.000 Arbeitsplätze
Nachrichten über Firmenpleiten, Fusionen, Stellenabbau und die Verlagerung von Jobs ins Ausland sind längst tägliche Normalität geworden. Die Arbeitslosigkeit von rund vier Millionen Menschen ist eines der dringlichsten politischen und gesellschaftlichen Probleme. Egal, ob es um Großprojekte oder Risikotechnologien geht: Immer wieder wird argumentiert, dass nachhaltige und ökologische Aspekte zurückzutreten hätten, um angeblich entstehende Arbeitsplätze nicht zu gefährden. Die Förderung des ökologischen Landbaus steht dagegen unter der großen Koalition auf dem Prüfstand. Dabei sprechen Zahlen eine andere Sprache: Bio-Branche und Umweltschutz schaffen Zukunft und Beschäftigung.

Bio-Unternehmen stellen ein
Während Großunternehmen Stellen streichen, ver?zeichnet die von kleinen und mittelständi?schen Unternehmen geprägte Bio-Branche seit Jahren einen kontinuierlichen Zuwachs an Arbeitsplätzen.
Mit einem Zuwachs von 15 Prozent wurde 2005 ein Inlandsumsatz von rund vier Milliarden Euro erreicht. Damit sichert die Bio-Branche nach Schätzungen des PresseForum BioBranche das Einkommen von rund 160.000 Arbeitskräften, die in den Bereichen Erzeugung, Herstellung, Handel und Dienstleistung tätig sind. 22.032 zertifizierte Erzeuger, Hersteller und Verarbeiter von Bio-Lebensmitteln registrierte die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) zum 31. Dezember 2005. Hinzu kommen die von der Statistik nicht erfassten
Non-Food-Hersteller (zum Beispiel Naturkosmetik, ökologische Wasch- und Reinigungsmittel, Naturtextilien), Zu?lieferer, Dienstleister, Verbände und weitere Unternehmen.
Bereits 2003 waren laut Agrarstrukturerhebung des Statistischen Bundesamtes, die alle vier Jahre auch die Beschäftigtenzahlen erfasst, allein im ökologischen Landbau 50.200 Arbeitskräfte in rund 13.900 Betrieben beschäftigt. Zum Vergleich: In der privatwirtschaftlich finanzierten Agro-Gentechnik arbeiten laut BUND nicht mal 500 Beschäftigte.

Produktion in Deutschland
Die Mehrzahl der deutschen Bio-Hersteller produziert in Deutschland und verzichtet auf kostensenkende Verlagerungen ins Ausland. "Unsere Hersteller übernehmen die soziale Verantwortung für ihre Mitarbeiter und für die Landwirte und Lieferanten in den Regionen", so Elke Röder, Geschäftsführerin des Bundesverbandes Naturkost Naturwaren (BNN) Herstellung und Handel e.V. Außerdem erfordere die Herstellung qualitativ hochwertiger Bio-Produkte ohne die zahlreichen Hilfsmittel und Zusatzstoffe der Lebensmittelindustrie spezielles Know-how und jahrelange Erfahrung.

Engagement für Ausbildung
Nachwuchs an qualifizierten Mitarbeitern wird dringend benötigt. Deshalb engagieren sich Bio-Unternehmen stark im Bereich Ausbildung. So melden zum Beispiel die Mitgliedsunternehmen des Verbands der Bio-Supermärkte 138 Auszubildende für das Jahr 2005. Das Spektrum der möglichen Ausbildungsgänge ist breit: Büro- oder Einzehandelskaufleute, Diplom-Betriebswirte oder Fachkräfte für Lagerlogistik können ihren Job in Bio-Firmen lernen. Kein Wunder, dass die Ausbildungsplätze gefragt sind:
Laut einer Umfrage des PresseForum BioBranche von 2003 werden rund drei Viertel aller Auszubildenden in Bio-Unternehmen nach Abschluss in eine Festanstellung übernommen.
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Weg von der Agrar-Fabrik Bio-Anbau braucht Menschen
Während die Zahl der Beschäftigten im ökologischen Landbau also kontinuierlich wächst, arbeiten in der konventionellen Landwirtschaft heute ca. 82.000 Menschen weniger als noch im Jahr 1999.
"Bio-Betriebe sind keine Agrarfabriken, hier gibt es einfach mehr für Menschen zu tun", erläutert Stefan Illi, Geschäftsführer vom Demeter-Bund. Der ökologische Landbau setzt auf sorgfältige Bodenbearbeitung und artgerechte Tierhaltung. Viele Bio-Landwirte vermarkten zumindest einen Teil ihrer Produkte selber.
Eine vom Bio-Anbauverband Bioland in Auftrag gegebene Untersuchung bei über 450 Bioland-Betrieben stellt folgerichtig fest, dass sich die Zahl der Arbeitskräfte nach der Betriebsumstellung um 63 Prozent erhöhte, die der Auszubildenden sogar um 145 Prozent. Im Bio-Landbau gibt es bezogen auf die bewirtschaftete Fläche 34 Prozent mehr Arbeitsplätze, so der agrarpolitische Bericht der Bundesregierung 2005.

Bio-Landwirtschaft:
Für die Zukunft der ländlichen Räume
Bio-Anbau schafft so dringend benötigte Arbeitsplätze im von Abwanderung bedrohten ländlichen Raum. Darüber hinaus engagieren sich viele Bio-Bauern in weiteren regionalen Aktivitäten, vom Tourismus bis zum Kultur-Event. Damit leisten sie weitere Beiträge, das Leben auf dem Land lebendig und attraktiv zu gestalten.
Bio-Wachstum:
In Zukunft ohne deutsche Bio-Bauern?
Während die Zahl der Bio-Landwirtschaftsbetriebe gegenüber dem Vorjahr mit 1,7 Prozent nur geringfügig wuchs, legten Hersteller und Verarbeiter um über 13 Prozent zu. Das führte da?zu, dass heimische Bio-Waren auf dem Markt knapp wurden. "Ein Indiz da?für, dass das Wachstum künftig an deutschen Bio-Landwirten zugunsten aus?ländischer Anbauer vor?bei gehen könnte", befürchtet Thomas Dosch, Präsident von Bioland e.V.
Zunehmende bürokratische Hürden, die Streichung der Umstellungsförderung in einigen Bundesländern und die vorgesehene Kürzung der Agrar-Umweltprogramme, mit denen auch der ökologische Landbau gefördert wird, behindern laut Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) ein weiteres Wachstum der Bio-Landwirtschaft in Deutschland, da umstellungswillige Landwirte derzeit nicht die notwendige Planungssicherheit hätten.

Umstellung auf Bio-Landbau weiter fördern
An?bauverbände fordern daher, den Markt nicht ausländischen Anbauern zu überlassen, sondern Betriebe bei der Umstellung auf ökologischen Landbau weiterhin aktiv und angemessen zu fördern. Mit einem Anteil von 30 Prozent am europäischen Bio-Markt ist der deutsche Bio-Markt der größte innerhalb der Europäischen Union. "Es wäre bedauerlich, diesen Markt nicht mit einheimischer Ware zu bedienen", stellt Dr. Götz Rehn, Vorstand des BÖLW, fest. "So können mit dem ökologischen Landbau doch gleichzeitig in herausragender Weise gesellschaftliche Ziele erreicht werden."
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Mehr als nur ein Job Warum Menschen gerne in der Bio-Branche arbeiten
Weil es sinnvoll ist
Laut einer Bioland-Umfrage sind 64 Prozent von 1.000 befragten Betriebsleitern nach der Umstellung auf "Bio" zufriedener als vorher und das, obwohl die Bewirtschaftung eines Bio-Bauernhofs überdurchschnittlichen Einsatz fordert. Auch bei Beschäftigten aus Verarbeitung und Handel trägt das Bewusstsein, ökologisch und gesamtgesellschaftlich Sinnvolles zu tun dazu bei, dass die Arbeit mehr Spaß macht.

Weil es interessant ist
Der Anbau und die Verarbeitung von Bio-Produkten erfordern viel Fachwissen und Know How. "Die Qualität unserer Produkte hängt wesentlich von der Qualifikation und dem Engagement unserer Mitarbeiter ab", stellt Ulrich Walter, vom Naturkost-Unternehmen Ulrich Walter GmbH/Lebensbaum fest. Entsprechend gern gesehen sind in den Bio-Firmen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die mitdenken und sich weiterbilden. Da Bio-Höfe sich selten einseitig spezialisieren, sondern oft weitere Angebote wie Direktvermarktung oder Seminare zusätzlich bieten, ist auch hier die Arbeit vielfältiger und interessanter als in der konventionellen Landwirtschaft.
Weil es Spaß macht
Viele der führenden Unternehmen der Bio-Branche entstanden aus der Alternativ-Bewegung der 70er Jahre, Teamgeist und eine gute Arbeitsatmosphäre werden nach wie vor groß geschrieben. Zusätzliche Angebote reichen vom Bio-Mittagstisch bis zur betrieblichen Weiterbildung.
Weil Beruf und Familie wichtig sind
Flexible Arbeitszeiten, Home-Office- und Teilzeitarbeitsmodelle ermöglichen es in vielen Bio-Firmen Männern und Frauen, Arbeit und Familie sinnvoll miteinander zu verbinden.

Fazit: "Bio" steht für hochwertige Produkte, die von gut ausgebildeten Fachkräften in arbeitsintensiven Prozessen erzeugt werden und reißenden Absatz finden. In Zeiten der Abwanderung ganzer Produktionszweige in die globale Billigproduktion bietet "Bio" eine wichtige Alternative nicht nur für den Konsum, sondern auch für den deutschen Arbeitsmarkt. Folgerichtig gehört die Bio-Branche zu den ganz wenigen Branchen in Deutschland, von denen Impulse für den Arbeitsmarkt ausgehen und das seit über 10 Jahren. Es wird Zeit, dass dieser Sachverhalt die breite politische und gesellschaftliche An?erkennung bekommt, die ihm gebührt.
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