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Titelgeschichte Ausgabe Nr. 35
Wasser begrenzt, benötigt, begehrt
70% des "blauen Planeten" Erde sind von Wasser bedeckt. Aber nur ca. 3% davon sind trinkbares Süßwasser. Wasser ist eine knappe und zunehmend umkämpfte Ressource, die dem Erdöl bald den Rang als Politikum ablaufen könnte. Der drohende Klimawandel verschärft diese Tendenz noch. Bereits heute haben 1,2 Milliarden von den 6,7 Milliarden Menschen auf der Erde keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. An den Folgen von Wassermangel und verschmutztem Wasser sterben jährlich weltweit mehr Menschen als an Kriegen.

Landwirtschaft als Wasserverschwender
Weltweit werden 70% der Trinkwasservorräte in der Landwirtschaft verbraucht. Etliche der Feldfrüchte, die für die Weltwirtschaft sehr wichtig sind, z.B. Baumwolle, Reis, Weizen, Zuckerrohr oder -rüben benötigen besonders viel Wasser. Trotz?dem werden sie oft in klimatisch ungeeigneten Gebieten angebaut. Das hat fatale Folgen. So leidet der Mittelmeer-Raum unter Wasserknappheit und Austrocknung. Dies ist nicht allein auf mangelnden Regen, sondern menschliches Fehl?verhalten zurückzuführen. Zum Beispiel in Spanien: Wo einst Pinienwälder wuchsen, ist nun Hektar über Hektar mit Treibhäusern bedeckt, in denen Erdbeeren, Paprika und Tomaten für den europäischen Markt erzeugt werden. Zu niedrige Wasserpreise, eine verfehlte EU-Subventionspo?li?tik, aber auch illegale Wasserentnahmen tragen dazu bei, das ganze Regionen ökologisch zerstört werden.
Krieg ums Wasser?
Rund 260 grenzüberschreitende Flüsse gibt es auf der Welt. Das darin enthaltene Konfliktpotenzial spiegelt das Wort "Rivale": Es kommt von dem lateinischen rivalis und bezeichnet jemanden, der den selben Fluss benutzt. "Die Kriege der Zukunft werden ums Wasser geführt werden", prophezeite der ehemalige UNO-Generalsekretär Boutros Gali bereits in den neunziger Jahren. Im Nahen Osten, aber auch in Afrika oder Bolivien gab es bereits gewaltsame Auseinandersetzungen um den Zugang zu Wasser.

Sauberes Trinkwasser: Menschenrecht oder profitabler Rohstoff?
Die Vereinten Nationen zählen das Recht auf ausreichendes, sicheres und erschwingliches Wasser zu den Menschenrechten. Der UN-Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung von 1992 in Johannesburg setzte sich das Ziel, die Zahl der Menschen, die keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben, bis 2015 zu halbieren. Bevölkerungswachstum, Ver?städterung und industrielle Produktion führen dazu, dass die Nachfrage nach Wasser stetig steigt. Theoretisch steht genug Wasser für alle Menschen auf der Welt zur Verfügung. Aber längst haben multinationale Konzerne das Geschäft mit der Ressource Wasser entdeckt, ist die Aufteilung des Weltmarkts in vollem Gange. Ob vor diesem Hintergrund eine gerechte Verteilung und ein nachhaltiger Umgang mit der natürlichen Lebens?grundlage Wasser zu realisieren ist, wird die Zukunft zeigen.
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Lebensmittel und Konsumgüter: Unsichtbares Wasser
Nur etwa fünf der 127 Liter Wasser die jeder Deutsche täglich im Schnitt pro Kopf verbraucht, werden zum Trinken und Kochen verbraucht. Ein großer Teil des Wassers fließt in den Anbau und die Produktion von Lebensmitteln und Konsumgütern. So ergeben sich folgende erstaunliche Zahlen (Quelle wwf):
1 Tasse Kaffee=140l Wasser
1 Glas Orangensaft=170l Wasser
200 ml Milch=3.000l Wasser
1 x Hamburger, Pommes & Soft Drink=6.000l Wasser
1 kg Rindfleisch=16.000l Wasser

Die Herstellung eines Autos schlägt mit etwa 45.000 Liter Wasser zu Buch. Die Bewässerung eines 18-Loch Golfplatzes in Spanien verbraucht jedes Jahr 700.000 Kubikmeter Wasser das entspricht dem Trinkwasserbedarf einer Kleinstadt von 15.000 Einwohnern.
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Wasser vom Durstlöscher zum Lifestyle-Produkt
Rund 130 Liter Mineral-, Quell- und Tafelwasser trinkt jeder Deutsche jährlich im Durchschnitt, in den siebziger Jahren waren es erst 12,5 Liter. Der steile Aufstieg führte dazu, dass Wasser heute (nach Kaffee und Bier) auf Platz drei der deutschen Getränke-Hitliste liegt. Die Mineralwasserflasche ist zum Lifestyle-Accessoire geworden. Das Null-Kalorien Lebensmittel Wasser steht für Gesundheit, Natürlichkeit, Unbeschwertheit und Wellness. Im Trend liegen Wässer mit wenig oder ohne Kohlensäure. Sehr beliebt sind auch Schorlen und die relativ neuen, so genannten "Wasser plus" oder "Near Water"-Produkte: Wässer, die keine oder wenig Kalorien enthalten, aber Frucht- und Kräuterextrakte, Aromen oder sonstige Zusätze.

Eineinhalb bis zwei Liter Wasser sollte jeder Mensch täglich trinken. In Deutschland kein Problem: Wer nicht auf das Trinkwasser aus der Leitung zurückgreifen möchte, kann aus dem Angebot von rund 225 Mineralbrunnen und zirka 500 Marken wählen.
Wie "bio" kann Wasser sein?
Bio-Wasser gibt es nicht die EU Bio-Verordnung gilt nur für Lebensmittel pflanzlicher und tierischer Herkunft. Trotzdem gibt es klare Unterschiede zwischen dem Wasser-Angebot im Bio-Laden und dem konventioneller Super- oder Getränkemärkte. Viele Hersteller erfüllen Qualitätsanforderungen, die über die Anforderungen der Mineral- und Tafelwasserverordnung, der alle in Deutschland angebotenen Mineralwässer entsprechen müssen, hinausgehen genaues Hinschauen lohnt sich. Hier finden Sie einige der Kriterien, die für Wasser-Anbieter im Bio-Handel wichtig sind.
Lebendiges Wasser
Bei vielen "naturköstlichen" Wässern wird das Kriterium "Natürlichkeit" weiter gedacht und bezieht auch "Lebendigkeit", die energetische Struktur des Wassers, mit ein. Viele Naturheilkundler gehen davon aus, dass Wasser Träger von Information sein könne. Das Prinzip sei ähnlich wie bei der Homöopathie: Obwohl die vielfach verdünnten Substanzen selber nicht mehr nachweisbar sind, entfalten sie ihre Wirkung, weil das Präparat ihre Information enthält. Für das Lebensmittel Wasser würde das bedeuten, dass der Druck beim Abfüllen, bzw. Transport durch die Leitung und Verfahren wie Ozonierung die ursprüngliche Qualität des Wassers beeinträchtigen (von schulwissenschaftlicher Seite wird diese Möglichkeit natürlich heftig bestritten).

Die im Bio-Markt präsenten Abfüller bevorzugen jedenfalls Quellen, die in möglichst unberührten Land?schaften, z.B. Nationalparks oder Gebirgen liegen. Etliche setzen bewusst auf so genannte artesische Quellen. Aus ihnen muss das Wasser nicht hochgepumpt werden, sondern tritt aus eigener Kraft frei fließend aus. So soll die lebendige energetische Struktur des Wassers erhalten bleiben. Besondere Eigenschaften werden auch den Abfüllungen zu bestimmten Mondphasen zugeschrieben.
Mineralienarmes Mineralwasser
Hört sich unlogisch an, liegt aber voll im Bio-Trend. Denn viele Naturheilkundler vertreten die Auffassung, dass Wasser seine Aufgabe als Transportmittel im Körper um so besser erfüllen könne, je mineralstoffärmer es sei, zumal die im Wasser gelösten Mineralien vom Körper sowieso nicht gut aufgenommen werden könnten (was ebenfalls schulmedizinisch umstritten ist).
Hohe Reinheit
Die geltenden Grenzwerte für Nitrate etc. werden meist deutlich unterschritten. Unerwünschte Stoffe wie z.B. Eisen werden nicht mit dem Gas Ozon, sondern z.B. durch Quarzsandfilter entfernt.
Regional oder klimaneutral?
Auch im Bio-Markt finden sich Wässer, die über weite Strecken transportiert werden. Wer nicht von vorneherein zu Mineralwasser aus der Region greifen möchte, kann darauf achten, ob der Abfüller z.B. durch Co2 Kompensationszertifikate einen Ausgleich leistet.

Also, ob mit oder ohne Kohlensäure, reich an Mineralien oder leicht, bei Vollmond oder bei Neumond abgefüllt, aus der Region, aus Frankreich oder Bulgarien, gleich als Schorle oder als trendiges "Near Water": Im Bio-Laden bleibt die Qual der Wahl.
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