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Titelgeschichte Ausgabe Nr. 37
Die Klima-Diät Essen für den Klimaschutz
Rund 70 Prozent der Bundesbürger würden es laut einer Studie begrüßen, wenn die CO2-Emissionen, die ein Lebensmittel verursacht, auf dem Produkt gekennzeichnet würden. Das bedeutet: Fast Dreiviertel der Bevölkerung ist sich bewusst, dass sie durch ihre Ernährung Einfluss darauf nehmen können, wieviele Treibhausgase ausgestoßen werden. Auch ohne ausdrückliche Kennzeichnung ist es möglich, klimafreundliche Einkaufsentscheidungen zu treffen, denn es sind bestimmte Produktgruppen, deren Produktion das Klima belastet.

Fleisch-Lust ist Klima-Last
Der Nutztiersektor erzeugt weltweit mehr Treibhausgase als das Transportwesen, stellte die Ernährungs und Landwirtschaftsorganisation (FAO) der Vereinten Nationen (UNO) fest. Besonders unrühmlich tun sich dabei die Rinder hervor. Denn in ihren vielen Mägen entsteht Methan, ein Gas, dessen Treibhauswirkung 23 Mal stärker ist, als die von CO2. Rund 112 Tonnen Methan werden jährlich weltweit durch Rindviecher produziert, dass entspricht umgerechnet einem CO2 Ausstoß von 2576 Tonnen, dazu kommen die negativen Klimaeffekte, die durch die Rodung von Urwäldern für Weideland und den Anbau von Viehfutter entstehen. Die FAO sagt voraus, dass die weltweite Fleischproduktion von derzeit 229 Millionen auf 465 Millionen Tonnen im Jahr 2050, die Milchproduktion im gleichen Zeitraum von 580 Millionen auf 1043 Millionen Tonnen steigen wird.
Hohes Treibhauspotenzial:
Fleisch, besonders Rindfleisch
fetthaltige, konzentrierte Milchprodukte wie Sahne und Käse
Mehr Pflanzliches, weniger Treibhausgase
Frisches Obst und Gemüse der Saison sind nicht nur lecker, sondern haben auch eine günstige Klima-Bilanz. Besonders wenn es sich um Bio-Produkte handelt: denn sie verursachen durchschnittlich nochmals 10 bis 20 Prozent weniger Belastung, als konventionelle Produkte.
Niedriges Treibhauspotenzial:
Obst und Gemüse

Bio-Landbau schützt aktiv das Klima
Dass Bio-Bauern Klimaschützer sind, liegt nicht nur daran, dass sie keinen Kunstdünger einsetzen (der sehr energieaufwändig hergestellt wird). Auf Bio-Äckern ist im Boden einfach mehr los: Mehr Wurzeln, mehr Humus, also mehr Bio-Masse. Und die bindet CO2. Wenn die Landwirtschaft weltweit auf Bio umgestellt würde, könnten große Mengen des in der Umwelt freigesetzten CO2 gebunden, manche Experten meinen sogar, allein dadurch könne der Treibhauseffekt gestoppt werden. Wenn das kein guter Grund ist, zu Bio zu greifen
Klimaneutrale Produktion
Viele Bio-Hersteller stellen um
Bei der Weiterverarbeitung, Verpackung und dem Transport von Produkten wird Energie verbraucht, und das Klima belastet das ist auch bei Bio-Produkten so. Immer mehr Bio-Hersteller arbeiten an der klimaneutralen Produktion: Sie beziehen Öko-Strom und kompensieren die Treibhausemissionen, die durch ihre Produktion entstehen, durch die Investition in Klimaschutzprojekte. Neu ist das Label Stop Climate Change. Es ermöglicht Unternehmen, den Ausstoß von Treibhausgasen genau zu erfassen und auszugleichen. Als erstes Produkt wurden im September Bio-Bananen des Importeurs Biotropic vorgestellt. Weitere Bio-Firmen wie z.B. Ökoland Nord und Naturkost Elkershausen planen eine Zertifizierung.

Transport
Mit dem Schiff von Übersee oder mit dem Auto zum Bauern?
Dass es das Klima belastet, wenn Lebensmittel mit dem Flugzeug transportiert werden, liegt auf der Hand. Übersee-Transporte mit dem Schiff fallen dagegen mit ca. 3 Prozent bei der CO2-Bilanz von Lebensmitteln erstaunlich wenig ins Gewicht. Nicht zu unterschätzen sind dagegen die Transportwege, die zu Hause für den Lebensmitteleinkauf zurückgelegt werden. Eine Autofahrt von 2 km zum regionalen und saisonalen Einkauf direkt beim Erzeuger schlägt schnell mit ca 2 kg CO2 zu Buche und wird dann zumindest unter dem Gesichtspunkt des Klimaschutzes absurd.
Relativ geringe Klimabelastung:
Produkte aus Übersee (Schiffstransport), z. B. Bananen, Kaffee, Wein, Orangensaft-Konzentrat
Weniger Fleisch, mehr Obst und Gemüse, Bio-Produkte, Saisonales, frische, unverarbeitete Lebensmittels statt Fertigprodukten oder Tiefgekühltem
irgendwo haben wir das doch schon mal gehört, stimmts? Wer sich so ernährt, verheißen uns Ernährungsexperten einstimmig, der schafft die besten Vorraussetzungen für Gesundheit, Fitness und Lebensfreude. Und wer weiß, vielleicht haben Sie dann so viel Energie, dass Sie mit dem Fahrrad in den Baumarkt fahren, um endlich diese Energiesparlampen zu kaufen.

Klima-Diät-Tipps
Machen Sies wie es bei den Großeltern noch ganz normal war:
Fleisch gibt es einmal in der Woche. Aber dann richtig lecker Bio.
Statt Wurst oder Käse:
Öfter mal einen leckeren pflanzlichen Aufstrich. Im Bio-Laden gibts eine Riesenauswahl!
Veggies schwören drauf:
Alles, was Fleisch, Wurst oder Milchprodukt ist, gibt es auch in veganen Varianten aus Soja und Getreide. Und die sind mittlerweile richtig gut.
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Was uns bei der Ernährung gut tut, entlastet auch das Klima
Rainer Grießhammer vom Öko-Institut über Klimaschutz im Privathaushalt, CO2 als Werbeargument und die Frage, ob ein klimaschonender Lebensstil mit Einschränkungen verbunden sein muss.

Immer mehr Menschen möchten aktiv etwas tun, um in ihrem Alltag den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren. Ist das sinnvoll, oder hat es angesichts der globalen Größe des Problems nur symbolischen Wert?
Nein, wer das Thema Klimawandel nur an die da oben delegiert, macht es sich zu einfach. Selbst wenn man nur auf den direkten Energieverbrauch für Heizung, Warmwasser und Strom schaut, machen die CO2-Emissionen der privaten Haushalte etwa 23 Prozent aus. Wenn man die Produktion der Produkte und des Stroms mit einbezieht, dann entfallen auf uns, die Verbraucher, 65 bis 70 Prozent der CO2-Emissionen. Dass man da sinnvoll aktiv werden kann, liegt auf der Hand.
Energieverbrauch, Konsumgüter, Reisen
Fallen die Emissionen, die durch Ernährung entstehen überhaupt ins Gewicht?
Statistisch gesehen verspeist jeder Bundesbürger stattliche 500 Kilo Lebensmittel im Jahr. Die schlagen schon bei der Herstellung mit etwa 15% Anteil an den privaten CO2-Emissionen zu Buche, mit Einkaufsfahrten, Kühlen, Kochen, Spülen usw. kommen noch einige Prozent dazu.
Das ist eine ganze Menge
Ja, trotzdem sollte man bei Lebensmitteln nicht nur auf die Klima-Auswirkungen schauen. Es gibt ja auch andere Umwelt- oder Gesundheitsprobleme: Massentierhaltung, Pestizide, Ur?waldrodungen für Weideland, Gammelfleisch, BSE oder Fehlernährung. Die gute Nachricht: Was uns bei der Ernährung gut tut, entlastet auch das Klima. Weniger Fleisch, mehr Obst und Gemüse, Bio-Lebensmittel kaufen... eigentlich ganz einfach.

Klimaschutz ist in. Verbraucher wollen Bescheid wissen, Hersteller werben damit. Wäre es eigentlich sinnvoll, wenn auf jedem Produkt vom Pfefferminztee bis zum Fischstäbchen der CO2 Ausstoß angegeben wäre?
Jein. Natürlich ist es sinnvoll, wenn Hersteller solide CO2-Bilanzen für Produkte erstellen, um daraus Minderungsmaßnahmen abzuleiten. Bei wichtigen Produktgruppen kann es auch Sinn machen, die CO2-Werte auf der Verpackung anzugeben. Aber wollen Sie ernsthaft vor dem Regal vergleichen, ob Teebeutel A mehr Emissionen verursacht, als Teebeutel B? Wichtig ist es, die Klimaauswirkungen von Produktgruppen bzw. typischen Produkten einordnen zu können. Kann ich den Bio-Wein aus Chile oder Südafrika ruhig kaufen, wenn er mit dem Schiff transportiert wurde? Weiß man, dass Fleisch um ein Vielfaches klimabelastender ist als Gemüse, Tiefkühlgemüse klimabelastender als Frisches? Dass Erdbeeren oder Spargel im Dezember besonders klimabelastend mit dem Flugzeug transportiert wurden, kann man sich auch ohne CO2-Bilanz denken.
Wie kann ich als Verbraucher einschätzen, ob ein Label oder eine Aussage zum Klimaschutz auf einem Produkt zutreffend und seriös ist?
Hersteller sollten sich grundsätzlich nach nachvollziehbaren Kriterien und von unabhängigen Institutionen zertifizieren lassen. In nächster Zeit werden vermutlich mehrere konkurrierende Label entstehen und die Verbraucher eher verunsichern. Idealerweise sollte man versuchen, sich auf ein einziges zentrales Siegel zu einigen.

In Ihrem Buch Der Klima-Knigge vertreten Sie die Überzeugung, dass Klimaschützer gesünder und sicherer lebten. Außerdem könnten sie bis zu 3000 Euro im Jahr einsparen, ohne Abstriche beim Komfort zu machen. Andere sagen: Die Menschheit lebt über ihre Verhältnisse. Besonders die Bewohner der Industrienationen müssen ihren Lebensstil auf ein klimaverträgliches Maß zurückzuschrauben. Verzicht ist etwas sehr Unpopuläres. Aber geht es wirklich ohne?
In deutschen Haushalten sind riesige Einsparpotenziale vorhanden. Die lassen sich tatsächlich nutzen, ohne dass es irgendwo weh tut. Das sind so einfache Dinge wie der konsequente Einbau von Energiesparlampen oder energieeffiziente Haushaltsgeräte zu kaufen.
Wenn die wichtigsten der in dem Buch beschriebenen Anregungen umgesetzt würden, würde sich der Ausstoß von Treibhausgasen aus Privathaushalten um 3040% verringern. Das wäre doch schon mal was, selbst wenn es für einen globalen Lebensstil, der alle Ressourcen der Welt gerecht pro Kopf verteilt, alleine nicht reichen würde. Im Klima-Knigge finden sich natürlich auch Tipps für weitergehende Verhaltensänderungen. Ich habe kein eigenes Auto, kann aber im Carsharing je nach Bedarf unterschiedlichste Autos nutzen und fahre ansonsten nur mit Chauffeur, nämlich mit der Bundesbahn. Entspannend und zeitsparend. Wenn ich darauf verzichten müsste das wäre schon ärgerlich
Vielen Dank für das Gespräch!
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Cool werden!
Damit wir den Pinguin nicht in den Kühlschrank stellen müssen
braucht die Klima-Politik mehr Druck und energiesparende Produkte mehr Nachfrage. Sie als Verbraucher können da schon mal vorpreschen. Der Klima-Knigge verschafft Ihnen die Übersicht und gibt Ihnen präzise Informationen und Tipps, was Sie tun können um CO2 einzusparen und Lebensqualität zu gewinnen. Lebensnah, lustig und ein kleines bisschen böse: Lassen Sie sich entführen an das Grab des unbekannten Eisbären, lesen Sie die Post von den Malediven und beherzigen Sie die Gewinnwarnungen an die Verbraucher.

Rainer Grießhammer, Der Klima-Knigge Energie sparen, Kosten senken, Klima schützen, 192 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag. Booklett Verlag, 16,90 EUR (D)
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