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Titelgeschichte Ausgabe Nr. 39
Getränke
Einweg-Karton so gut wie Mehrwegflasche?
Wenns um Getränkeverpackung geht, sind die Öko-Fronten klar: Hier Glas und Mehrweg, dort Plastik, Alu und Karton. Oder? Als die ersten Bio-Läden öffneten, wurden Milch, Bier und Saft ganz selbstverständlich in Mehrwegflaschen verkauft. Einweg galt als ökologisch nicht vertretbar. Getränkekartons fanden darum in den Regalen kaum Platz, Getränkedosen galten als Teufelszeug. Schließlich wollten die umweltbewussten Hersteller und Kunden den Müllberg reduzieren. Diesen Anspruch haben sie noch heute. Sich für die geeignete Verpackung zu entscheiden, ist allerdings schwieriger geworden.

Eine Studie im Auftrag des Umweltbundesamtes belegte schon 1995, dass der so genannte Milchschlauch, eine durchsichtige Kunststofftüte, hinsichtlich seiner Ökobilanz mit Mehrwegprodukten mithalten kann. Das liegt unter anderem daran, dass bei seiner Herstellung wenig Material verbraucht wird, erklärt Maike Janßen, Expertin für Konsumgüterindustrie beim Umweltbundesamt.
Ähnlich sieht es beim Getränke-Karton aus Verbundmaterial, meist nach einem der bekanntesten Hersteller Tetra Pak genannt, aus. Ihn machte der grüne Umweltminister Jürgen Trittin salonfähig. Im Jahr 2000 sagte er: Zwischen Mehrwegflaschen und Einweg-Getränkekartons gibt es aus Umweltsicht ein Patt. Der Grund: Tetra Pak und Co. sind leicht, lassen sich gut stapeln und verbrauchen wenig Platz auf dem LKW. Außerdem werden mehr Verpackungen wiederverwertet als früher; die Qualität der Recyclingverfahren ist besser.
Grünes Image
Dass ihre Verpackung aus Sicht des Staates als ökologisch vorteilhaft gilt, freut die Firmen: Tetra Pak verbreitet Imagebroschüren mit schönen Fotos der skandinavischen Wälder, aus denen das Holz für die Kartons kommt. Die dortigen Papierfabriken seien in der Reduzierung von Schadstoffen weltweit führend, sagt Heike Schiffler, Sprecherin von Tetra Pak. Die Firma wurde 1951 in Schweden gegründet und hat ihren deutschen Sitz nahe Frankfurt am Main. Schiffler berichtet, dass die Kartons in Limburg und Berlin mit Farben auf Wasserbasis bedruckt und mit Polyäthylen und einer dünnen Aluminiumfolie beschichtet werden. Beide Werke würden zu 100 Prozent mit grüner Energie arbeiten.

Getränkekartons werden in Deutschland nicht nur von Tetra Pak hergestellt, sondern auch von der Elopak GmbH in Speyer und der SIG Combibloc GmbH in Linnich bei Aachen. Alle drei Unternehmen frohlocken über eine Recyclingquote von 65 Prozent: Mehr als sechs Milliarden Getränkekartons pro Jahr landen in der Gelben Tonne und werden dann zu Faltschachteln, Wellpappe und Hülsenkartons weiterverarbeitet. Im Vergleich zum übrigen Europa schneidet Deutschland damit gut ab.
Inhaltsstoffe schützen
Vor 10 bis 15 Jahren galten Tetra Pak und Co. bei Umweltgruppen als klassische Ex- und Hopp-Verpackungen, sagt Michael Kleene, Sprecher des Fachverbandes Kartonverpackungen für flüssige Nahrungsmittel. Inzwischen werden Bio-Produkte zunehmend in Getränkekartons verkauft. Zwar gibt es keine Statistik darüber, wie hoch der Anteil der Kartons an den Verpackungen im Bio-Markt ist, doch Frischmilch und Saft im Karton entsprechen offensichtlich den Bedürfnissen moderner Bio-Kunden.
In einer Imagebroschüre seines Verbandes erklärt Kleene, wie der Karton Vitamine und Geschmack von Milch schützt: Wer etwa um die Mittagszeit eine transparente Milchflasche kauft, die seit dem frühen Morgen in einer beleuchteten Kühltheke steht, trägt bis zu 40 Prozent weniger Vitamine nach Hause. Das Licht mindert die Qualität vor allem bei durchsichtigen Glasflaschen.
Nur noch Kartons kaufen?
Unsere Empfehlung lautet: möglichst Mehrweg, sagt Maike Janßen vom Umweltbundesamt. Doch aus ökologischer Sicht sind auch Standbodenbeutel und Getränkekartons in Ordnung. Janßens Behörde gab mehrere Ökobilanzen in Auftrag und kann derlei Tipps wissenschaftlich unterfüttern. Aber auch Trittins Satz über die ökologische Vertretbarkeit des Getränkekartons fußt auf einer solchen Studie.
Ökobilanzen: Kompliziert und interpretierbar
Eine Ökobilanz zeigt auf, wie stark ein Produkt die Umwelt belastet und zwar von der Herstellung über den Transport bis zum Recycling oder bis zum Ende im Müll. Welche natürlichen Ressourcen werden beansprucht? Entsteht Smog? Wie hoch ist der Ausstoß von Kohlendioxid, jenem farb- und geruchlosen Gas, das zur globalen Erwärmung beiträgt? Neben vielem anderen wird bei Ökobilanzen auch die Anreicherung der Gewässer mit Phosphaten und anderen anorganischen Stoffen berücksichtigt. Werden Flüsse und Seen mit diesen Substanzen überlastet, leidet ihr Ökosystem. Phosphate können in Spülmitteln enthalten sein. Mehrwegflaschen aus Glas werden bis zu 50 Mal gespült und neu abgefüllt, PET-Flaschen bis zu 25 Mal. Das wirkt sich auf ihre Ökobilanz aus, meint Benjamin Bongardt, Referent für Umweltpolitik beim Naturschutzbund Deutschland (NABU).

Mehrwegquote sinkt
Bonghardt hält Mehrwegverpackungen trotzdem für das A und O, weil sie viele Male benutzt werden können. Die Kohlendioxid-Belastung sei dadurch eher gering. Ralph Engel vom Arbeitskreis Mehrweg betont, dass die Mehrwegflaschen nur mit umweltfreundlichen Reinigungsmitteln gespült werden, wie sie auch in Privathaushalten üblich sind. Wie häufig das Behältnis tatsächlich gefüllt wurde, können die Hersteller u.a. an einem Code auf dem Flaschenboden erkennen. Er zeigt, wann es das erste Mal an den Handel geliefert wurde. Bevor ein neues Getränk in die Flasche kommt, überprüft eine Sonde, ob ein Kunde darin Farbe oder andere schädliche Stoffe gelagert hat. Dann wird sie aussortiert.
Im Jahr 2006 waren allein 1,7 Milliarden Mineralwasserflaschen im Umlauf. Diese Zahl bezieht sich auf den gesamten Handel. Wasser hat den größten Anteil auf dem deutschen Getränkemarkt, mehr als 35 Prozent. Seit 1998 wird es auch in PET-Flaschen abgefüllt. Die Kunststoffflasche ist beim Kunden beliebt, weil sie leichter ist als Glas. Allerdings kann sie nur halb so oft gespült werden. Heißes Wasser macht das Material schnell trüb, sagt Ralph Engel. Laut Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung wurden 1991 mehr als 93 Prozent des Mineralwassers in Mehrweg abgefüllt, im Jahr 2006 waren es knapp 53 Prozent. Auch bei den anderen Getränken sank die Mehrwegquote erheblich. Nur beim Bier stieg sie seit 1991 von 82 auf knapp 87 Prozent.

PET-Einweg: Verheerende Öko-Bilanz
Der konventionelle Durchschnittskunde greift immer öfter zur PET-Einwegflasche, die, ebenso wie die Getränkedose, eine verheerende Ökobilanz hat. PET-Einwegflaschen werden nach dem Gebrauch geschreddert. Zum Teil werden die Überreste nach China gebracht und zu Polyesterstoffen weiterverarbeitet, einem Grundstoff für Fleece-Decken und -Pullover. Warum es so viel PET-Einweg gibt? Maike Janßen vom Umweltbundesamt sagt: Das hängt mit dem steigenden Marktanteil der Discounter zusammen, die kaum Mehrwegverpackungen im Angebot haben. [jan]
Zum Weiterlesen
Ökobilanzen des Umweltbundesamts:
umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/1882.pdf
umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/2180.pdf
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Prost.
Sommer, (hoffentlich viel) Sonne und dann noch die Fußball-EM: Darauf stoßen wir an. Natürlich mit einem schönen, kühlen Bio-Bier.
Auch die deutschen Brauereien hoffen auf einen heißen Fußballsommer. Denn im Jahr 2007 ist der Bierkonsum in Deutschland wieder um 2,7 Prozent gesunken. Aber obwohl viele Menschen zu Mineralwasser, Säften oder Bier-Mischgetränken greifen: Bei einem Umsatz von 103,9 Millionen Hektoliter Bier macht das immer noch ansehnliche 107,4 Liter, die jeder Deutsche vom Baby bis zum Greis statistisch gesehen getrunken hat (da stellen wir uns schon die Frage: Wer trinkt eigentlich unsere Anteile? Anm. d. Red.)

Die Kunst des Bierbrauens hat Tradition die ersten Biere der Welt wurden bereits vor ca. 6000 Jahren von den Sumerern gebraut. In Deutschland begannen die Germanen um 800 vor Christus mit dem Brauen. Im Mittelalter entwickelte sich eine Braukultur in Deutschland. Die damaligen Biere unterschieden sich von den heutigen allerdings erheblich: Neben Hopfen und Malz wurden den Bieren allerhand Gewürze und Kräuter zugesetzt, darunter auch psychoaktive Pflanzen wie Bilsenkraut oder Sumpfporst (mehr dazu ab Seite 14). Nicht zuletzt deshalb wurde wohl das berühmte deutsche Reinheitsgebot von 1516 erlassen, das bis 1993 relativ unverändert gültig war und nach dem Bier aus Wasser, Hopfen und Malz sowie Hefe gebraut zu werden hat.
Den Versuchen der EU, die Bestimmungen zum Bierbrauen europaweit zu harmonisieren und das deutsche Reinheitsgebot aufzuweichen, widersetzte sich Deutschland erfolgreich. Die internationalen Bierkonzerne wie Carlsberg oder Interbrew drängen dennoch auf den deutschen Markt. Der ist immer noch geprägt von kleinen und mittelständischen Brauereien, die eine Vielzahl von Spezialiäten herstellen, die oft nur regional erhältlich sind.

Bio, Regionalität und Bier: Das passt. Gerade kleine und mittelständische Betriebe haben so eine Chance, auf dem schrumpfenden und agressiv umworbenen Markt zu bestehen. Längst gibt es nicht nur klassisches Bio-Pils, -Lager und -Weizen-Bier sowie alkoholfreies Bio-Bier. Die deutschen Bio-Brauer besetzen erfolgreich Nischen, z.B. wenn es um glutenfreies Bier oder Bier aus traditionellen Getreidesorten wie Dinkel oder Emmer geht.
Bierprobe:
Das besondere Bio-Bier
Pils und Weizen kennt jeder. Wir sind neugierig auf besondere Bio-Biere. Dinkel, Cannabis & Co. Schmeckt das? Ein total subjektiver Test.
Es ist einer der ersten sonnigen Nachmittage, sechs durstige Erwachsene und ebensoviele Kinder (die testen die Bio-Limo, mehr dazu weiter unten) treffen sich im Garten. Neugierig werden die Flaschen beäugt.
      
Mit Dinkel. Ohne Alkohol.
Den Anfang macht das alkoholfreie Dinkelbier naturtrüb von Riedenburger. Es wird zu je 50 Prozent aus Dinkel- und Gerstenmalz gebraut. Aha, Bioland! Das punktet bei den Testern, die alle mehr oder weniger konsequente Bio-Käufer sind, schon vor dem ersten Schluck. Mit einem Alkoholgehalt von unter 0,5 Prozent (soviel enthalten auch die meisten Fruchtsäfte) verspricht es einen leichten Kopf und später ungetrübtes Fahrvergnügen.
Das naturtrübe, satt goldene Bier wird als vollmundig, relativ malzig empfunden. Ist okay, kann man trinken, sind sich die Tester einig. Einzige Einschränkung: Die Norddeutschen Tester hätten es gerne noch ein wenig herber gehabt.
Bier und Fußball
Zwei, die zusammengehören. Über 30000 Liter Bier können bei einem gut besuchten Bundesligaspiel im Stadion weg gehen. Die kommen übrigens nicht etwa aus Fässern, sondern aus Tanks, die tausend Liter fassen und durch kilometerlange Bierleitungen mit den Zapfstellen verbunden sind. Dass im Stadion alkoholfreies Bier angeboten wird, ist nicht die Regel! In Hannover ist es z.B. erst seit diesem Frühjahr dauerhaft im Angebot.

Echte Innovation: Ein klassisches Pils ohne Gluten
Um eine echte Spezialität handelt es sich beim Neumarkter Lammsbräu Glutenfrei. Bier wird normalerweise aus Gerste gebraut und die enthält das Klebereiweiß Gluten. Zirka 0,51 Prozent der Bevölkerung leiden unter Glutenunverträglichkeit (Zöliakie). Herkömmliches Bier ist für sie tabu. Das glutenfreie Bier von Neumarkter verspricht vollen Biergenuss: Es wird ganz normal mit Gerste und Hopfen gebraut. Anschließend wird das Gluten mit einem neuartigen Verfahren entfernt. Schon vor dem ersten Schritt lobten die Tester die innovative Leistung: Hätte ich nicht gedacht, dass so was machbar ist, tolle Idee. Und wie schmeckts? Zwei Tester monierten ein ein bisschen Nachgeschmack, aber das Gesamturteil fiel positiv aus: Im Großen und Ganzen ein ordentliches, klassisches Bier.
Bier und Hanf das geht
Cannabis und Bier eine schräge Zusammenstellung, finden die Testpersonen. Aber so weit hergeholt ist die Verbindung nicht: Denn erstens ist die Cannabis-, zu deutsch: Hanfpflanze ein Hopfengewächs und zweitens eine Nutzpflanze mit langer Tradition in Deutschland. Strenggenommen handelt es sich beim Cannabis Mixed Beer aus der schwäbischen Familienbrauerei Härtsfelder nicht um Bier sondern um ein alkoholhaltiges Getränk auf Basis von Malz, Zucker, Hanf und Hopfen, so die Verkehrsbezeichnung. Gemäkelt wird am Etikett: Mixed Beer, das klingt nach Alcopops, findet der eine, auch das Etikett wird als ziemlich krass empfunden. Auch schade: Das trendige Getränk steckt in einer Einwegflasche. Das Geschmacksurteil fällt dagegen eindeutig positiv aus: Leicht herb, lecker und mal wirklich was anderes, loben die Tester.

Gefällt: Das Demeter-Bier
Zum Schluss steht noch eine Spezialität aus Münster auf dem Programm. Dort braut Pinkus Müller seit 2004 das erste Bier, das laut Auskunft der Brauerei den Demeter-Markennamen tragen darf. Es handelt sich um ein Lagerbier, das ungefiltert abgefüllt wird und, wie der Name nahelegt, aus Demeter-Getreide und -Hopfen gebraut wird. Bereits das Demeter-Siegel stößt bei den gut informierten Testern auf Wohlwollen. Auch das naturtrüb-ungefilterte, das dem Bier etwas Uriges gibt, kommt gut an. Selbst das Etikett wird unter diesen Umständen akzeptiert: Ein bisschen altmodisch, aber irgendwie passend. Und wie schmeckts? Super. Wo gibts das? Habt ihr noch mehr davon? Fazit: Der Favorit unserer Testpersonen!
Bier-Beschaffung ist nicht unfallversichert
Das Bierholen ist keine betriebliche Tätigkeit. Folglich sind Beschäftigte, die während der Arbeitszeit Bier kaufen gehen, auch nicht unfallversichert, so entschied das Bundessozialgericht in Kassel. Das wäre nur der Fall, wenn das Beschaffen von Bier der Wiederherstellung der Arbeitskraft dienen würde, so das Urteil der Richter.
Des Deutschen zweitliebstes Kind
Laut einer FORSA-Umfrage ist Bier das zweitbeliebteste unserer heimischen Erzeugnisse. Auf Platz eins liegt das deutsche Auto, auf den Plätzen drei und vier folgen der Fußball und die deutsche Dichtkunst. Es wurden übrigens Männer und Frauen befragt.
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Erfrischend anders.
Im Wortsinn ist eine Limonade ein Getränk aus Zitronensaft, der mit Wasser verdünnt wurde. Urtyp der heutigen Limonaden ist der englische Lemon Squash, der aus Wasser, Zucker und Zitronensaft gemixt wurde. In den USA ist dieses Getränk heute noch als real lemonade bekannt und beliebt.

Bio-Limo punktet mit weniger Aromen und Zusatzstoffen. Dem Geschmack kommt das nur zugute. Bio-Limo ist eine coole Alternative an heißen Tagen. Die schmeckt übrigens auch den Großen.
Was den Erwachsenen das Bier, ist vielen Kids die Limo. Sie wird heiß geliebt, kalt getrunken und ist, wenn im Übermaß genossen, leider auch für das eine oder andere Bäuchlein verantwortlich. Das liegt an dem hohen Zuckergehalt herkömmlicher Produkte. Zwischen sieben und zehn Stück Würfelzucker können in einem Glas durchaus drinstecken, was dem Getränk den Spitznamen Bonbonwasser eintrug. Dazu können natürliche Aromen und weitere Zusatzstoffe kommen.
Kein Wunder, dass die meisten Menschen, einmal dem Kindesalter entwachsen, das zuckrige Zeug höchstens noch mit Bier gemischt als Radler bzw. Alster genießen wollten.
Mythos Bionade
Dann kam Bionade und alles wurde anders. Wir alle kennen die legendäre Geschichte von der kleinen Familienbrauerei, die kurz vor der Pleite stand. Das selbst ausgetüftelte Rezept, mit dem aus Malz nicht mehr Bier, sondern eine alkoholfreie Brause fermentiert wurde, rettete nicht nur die Firma, sondern auch ein bisschen die Welt. Alles passte zusammen: Die kleine Firma, die es ganz ohne Werbung nur mit einer tollen Idee schaffte. Die betont schlichten Flaschen, aus denen man genauso lässig trinken konnte, wie aus einer Bierflasche und der durchstartende Bio-Boom. Zirka 200000 Flaschen Bionade wurden 2007 verkauft, damit liegt das Trend-Getränk hinter Fanta und Sprite auf Platz drei der beliebtesten Limonaden in Deutschland.

Immer mehr Alternativen
Die Erfolgsstory von Bionade rief andere Hersteller auf den Plan, die ihre eigenen Varianten fermentierter Erfrischungsgetränke entwickelten. Gerade Brauereien bietet die Idee die Chance, mit neuen Produkten Kunden auf einem schrumpfenden Biermarkt zu gewinnen. Sogar Bier-Gigant Becks arbeite an einer fermentierten Limo, hieß es im Sommer letzten Jahres.
Klassische Limonaden
Die fermentierten Erfrischungsgetränke sind eine Neuentwicklung auf dem Getränkemarkt. Die klassische Limonade dagegen wird aus Wasser, Fruchtsäften, Zucker&Co. gemixt. Für den Volksmund sind Limonade und Brause meist dasselbe. Das Lebensmittelrecht sieht das anders und unterscheidet fein säuberlich zwischen den beiden: Brause darf nämlich auch künstliche Aromen und Farbstoffe enthalten. Ausnahme, die die Regel bestätigt, ist die Fassbrause, die überwiegend in Berlin erhältlich ist und in Wirklichkeit eine Limonade ist, die aus dem Fass gezapft wird.
Für den menschlichen Genuss geeignet!
Zum Durstlöschen nach dem Sport oder an heißen Tagen sind Wasser oder Schorlen nach wie vor erste Wahl. Zum Genießen darfs dann gerne auch mal eine Limo sein. Zu den Zuckerbomben aus dem Supermarkt bieten die Bio-Produkte mit weniger Süße, weniger Zusatzstoffen und mehr echten Früchten auf jeden Fall eine prima Alternative.
Limo-Probe: Erfrischend anders.
Bionade kennt jeder. Gibts Alternativen? Na klar! Wir haben vier Bio-Limos vom Newcomer bis zum Klassiker von Kids zwischen sechs und vierzehn Jahren testen lassen. Zwei der Produkte (BIOS und Biolimo) sind fermentiert, die beiden anderen (Perger und Honey Saps) sind klassische Limonaden. Alle Limos im Test sind ohne Zusatz von Kristallzucker, natürlichen Aromen und sonstigen Zusatzstoffen hergestellt. Die Erwachsenen durften auch mal nippen. Übrigens: Nicht immer waren Groß und Klein einer Meinung.
      
BIOS Lemon Grass
Punktete erst, als der Sommer kam
Laut Hersteller das erste auf Malzbasis fermentiertes Bio-Erfrischungsgetränk ohne Zuckerzusatz. Weitere Besonderheit: Alle Sorten werden mit zertifizierten Bio-Aromen, statt so genannten natürlichen Aromen hergestellt.
Das am wenigsten süße Getränk schnitt im eigentlichen Test nicht so gut ab: Ein bisschen dünn, fanden die Kids. Zehn Tage später sah das ganz anders aus. Mittlerweile war es heiß geworden, die verbliebenen Flaschen im Kühlschrank fanden plötzlich reißenden Absatz. Lecker! Erfrischend! Nicht so süß! Herrlich! Geht doch.
1 Glas 200 ml = ca. 40 kcal
Voelkel Biolimo Limone-Ingwer
Prickelt schön.
Ein fermentierter Tee- und Kräuter Auszug sowie natürliches Mineralwasser bilden die Basis dieser trendig aufgemachten Limo, die völlig frei von Aromen und ohne Kristallzucker-Zusatz mit natürlicher Quellkohlensäure hergestellt wird. Die Kombi aus Frucht und Gewürz, in unserem Test Limone und Ingwer, ist etwas für Individualisten. Riecht ein bisschen nach Hustensaft, schmeckt aber lecker, prickelt schön kommentierten die kleinen Tester. Und, würdet ihr die wieder trinken wollen? Na klar!
1 Glas 200 ml = ca. 52 kcal
Perger Limonade Holunderblüte
Die Großen waren begeistert
Die einzige Nicht-Zitrus-Limonade im Test. Sie wollen mit Kindern testen? Die freundliche Ansprechpartnerin bei Perger ist entsetzt. Dann können Sie doch keine Pink Grapefruit nehmen, die ist viel zu herb. Wir lassen uns also die Holunderblüte als besonders für Kids geeignet empfehlen. Die Perger-Limos werden klassisch aus den verschiedenen Komponenten gemischt, also nicht fermentiert und mit Traubendicksaft gesüßt. Die Empfehlung für die Kids erwies sich allerdings als ausgesprochenes Eigentor: Hier, könnt ihr austrinken. Das taten die Erwachsenen dann auch und waren begeistert. Köstlich, gut gekühlt als Aperitif, fein blumig aromatisch.
Fazit: Ein Super-Produkt für Erwachsene. Auf Pink Grapefruit wären wir aber doch gespannt gewesen.
1 Glas 200 ml = ca. 58 kcal
Lammsbräu Honey Saps Lemon
Süß und lecker
Bereits 1998 brachte Lammsbräu die wohl erste Bio-Limonade auf den Markt, die mit natürlichem Mineralwasser und Bio-Zitrone neue Maßstäbe setzte. Gesüßt wird ausschließlich mit Honig. Und genau am Honig schieden sich im Test die Geister, beziehungsweise am Honig-Geruch. Riecht komisch so die einen, schmeckt aber gut, so die anderen. Charaktervoll, aber auch das süßeste Produkt im Test.
1 Glas 200 ml = ca. 60 kcal
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Einblick:
Hort alten Wissens
Im Zaubertrank in Hamburg braut Hans-Georg Schaaf mittelalterliche Biere, Weine und allerlei mehr. Konsum auf die Schnelle gibt es bei ihm nicht.
Die Schaufenster eines ehemaligen Autohauses im Hamburger Stadtviertel St. Georg sind vollgestopft mit schönen Flaschen, Glasballons, Schaugläsern mit Kräutern und Trinkhörnern. Hier residiert der Zaubertrank, eine wohl einzigartige Anlaufstelle für altes Pflanzenwissen.

Pflanzenwissen neu beleben
Inhaber Hans-Georg Schaaf stellt aus heimischen Kräutern, Heilpflanzen, Pilzen, Beeren und Früchten Bier, Wein, Schaumwein, Sirup, Tinktur, Gelee und anderes her nach überlieferten Verfahren und traditionellen Rezepten sowie mit Kreativität und/oder nach Kundenwunsch. Die Zutaten stammen von Bio-Gärtnern, aus Privatgärten oder Wildsammlung. Schaafs Produkte, die er grundsätzlich selber herstellt, sind konsequent natürlich, aber, schon weil die Mengen so klein sind, nicht bio-zertifiziert.
Abseits von Mainstream und DIN ISO Normen
Für Behörden sind die unorthodoxen Produkte und Verfahren manchmal ein Stein des Anstoßes. Neulich wurde mir verboten, meinen Apfelsaft auszuschenken, weil er zu braun sei, grinst der Wirt. Ein anderes Beispiel ist der Alkoholgehalt der Produkte, der nur geschätzt wird. Da oft nur wenige Liter pro Ansatz hergestellt werden, wäre eine offizielle Alkoholgehalts-Bestimmung unverhältnismäßig teuer.
Ohne Aufklärung geht nichts
Nicht nur die Herstellungsverfahren der Biere, Weine, Sirupe und Säfte liegen abseits der DIN-ISO-normierten Welt. Auch die verwendeten Zutaten sind unkonventionell: Schaaf braut Bier mit Hafermalz in mittelalterlicher Tradition, verarbeitet Rainfarn und Muskatellersalbei, Johanniskraut und Sumpfporst. Deshalb kann niemand einfach in den Laden marschieren und etwas kaufen. Mindestens zwei Stunden dauert das Vorgespräch, bei dem Schaaf nicht nur detailliert seine Weltsicht und Arbeitsweise erklärt, sondern auch den angemessenen Umgang mit seinen Produkten.

Treffpunkt und Netzwerk
Werbung für das Geschäft wird nicht gemacht, die meisten kommen über Mundpropaganda. Abends ist der Zaubertrank Treffpunkt für Brett- und Rollenspieler und Mittelalterfans, es wird viel Musik gemacht. Regelmäßige Stammtische beschäftigen sich mit Mythologie, Religion und Schamanismus. Der Zaubertrank versteht sich als Hort alten Wissens, das mit allen Interessierten geteilt werden soll.
Ist dieses Wissen, das hier verantwortungsbewusst und vorsichtig weitergeben wird, eigentlich massentauglich? Ja, sagt Hans-Georg Schaaf spontan, aber für die Massen ist es nicht interessant.
Traditionen erforschen
Er selber ist ausgebildet als Koch, Küchenmeister und Diätkoch. Mich interessierte immer, was Ernährung im Körper bewirkt. Die Beschäftigung mit Pflanzen und traditioneller Heilkunde intensivierte sich, als er 1978 einen Holunderwein braute. Es war Weihnachten und ich hatte mit zwei Kollegen den selbstgemachten Wein getrunken. Wir wurden müde und schliefen ein bisschen. Als wir aufwachten, stellten wir fest, dass wir 36 Stunden geschlafen hatten. Meine Neugier war geweckt. Viel altes kräuterkundliches Wissen wurde von ihm gesammelt und in die Praxis umgesetzt. Dabei stieß er auf weitere Fragen: Warum zum Besipiel war es im Mittelalter gang und gebe, Bier mit Muskatellersalbei, Bilsenkraut oder Stechapfel zu brauen, psychoaktiven und stimulierenden Substanzen? Viele heutige Tabus, so glaubt er, erklären sich aus dem wachsenden Einfluss der christlichen Kirche, die z.B. den beruhigenden Hopfen als Zutat im Bier vorgezogen habe. Dabei komme ich selber aus einer Familie, die tief im christlichen Glauben verwurzelt ist und viele Pfarrer hervorgebracht hat, das ist manchmal nicht einfach
Karde und Eisenhut
Zwei junge Leute kommen, eine gemeinsame Bekannte hat ihnen zwei Pflanzen für die Schaafs mitgegeben. Das große grüne Bündel auf dem Tisch ist, wie vermutet, tatsächlich eine Karde, deren stacheliger Kopf früher zum Wollekämmen verwendet wurde. Die zweite Pflanze wird ausgepackt Vorsicht, warnt die junge Frau, es handele sich um einen blauen Eisenhut. Äußerst giftig, aber auch eine heilige und psychoaktive Pflanze, kommentiert Schaaf. Die, so beschließen Wirt und Wirtin, wird auf dem Dachgarten erst mal eingetopft. Auf dem Dach hat Antje Schaaf ihre Töpfe und Kübel stehen, hier wachsen Bärlauch und Erdbeeren, aber auch Stechapfel und Tollkirsche.

Stammgast: Mittelalter-DJ Manuel
Eingelagerte Schätze
In der mittleren Etage wird gelagert Fässer, Ballons und Flaschen en gros. Etliche der flüssigen Schätze gehören den Kunden, die sie hier beim Zaubertrank einlagern und sich nach Bedarf etwas abholen. Schaaf zeigt uns eine solche Wunschanfertigung im Ballon: Lakritzlikör, den bekommen Sie so in keinem Geschäft. Einen Teil hat der Besitzer dem Zaubertrank überlassen, akribisch hat er vermerkt, wann er selber wieviel entnommen hat.
Unten sitzt mittlerweile ein Gast an einem Tisch, vor sich einen Humpen mit Blaubeersaft. Manuel ist Mittelalter-DJ. Er geriet einmal zufällig in den Zaubertrank und wurde zum Stammgast. Die Sachen sind total einzigartig, so was gibt es einfach nirgendwo sonst.
Zum Abschluss kaufen wir noch einen Gundelrebensirup mit Wasser verdünnt ein hervorragender Durstlöscher, versichern Wirt und Wirtin. Als wir gehen, hat sich Schaaf zu dem Paar gesetzt, das die Pflanzen brachte. Die beiden möchten einkaufen aber vorher wird er ihnen erst mal ein paar grundlegende Dinge erläutern.
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