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Besser mit Bio ... "Bio und konventionelle Produkte sind gleichwertig", so eine Studie der britischen Behörde FSA im Sommer. Zu ganz anderen Schlüssen kommt das europäische Großforschungsprojekt QLIF, dessen Ergebnisse nach fünfjähriger Arbeit fast zeitgleich veröffentlicht wurden und die unter anderem zeigen, dass viele Bio-Nahrungspflanzen sehr wohl höhere Gehalte wichtiger Nährstoffe aufweisen. Bioboom hat sich beide Studien für Sie angeschaut. Außerdem haben wir Menschen gefragt, die keine Wissenschaftler sind, aber unumstritten kompetent, wenn es um Ernährung und Genuss geht: Drei Profi-Köche erzählen, warum sie mit Bio kochen und was für sie ein gutes Lebensmittel ausmacht. ![]() Bio oder nicht Bio: Egal? Ende Juli sorgte eine Veröffentlichung der britischen Food Standard Agency (FSA) für Aufsehen in Medien und Öffentlichkeit: Zwischen konventionellen Lebensmitteln und solchen aus Bio-Anbau bestünde kein nennenswerter Unterschied, Bio-Produkte seien keineswegs nährstoffreicher. Im Auftrag der FSA hatte das Londoner Institut für Hygiene und Tropenmedizin wissenschaftliche Veröffentlichungen aus dem Zeitraum von 1958 bis 2008 ausgewertet, die den Gehalt von Nährstoffen und weiteren Stoffen in pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln aus ökologischem und konventionellem Anbau verglichen. Fazit: Der Nährstoffgehalt sei größtenteils vergleichbar, selbst da, wo Bio-Produkte nährstoffreicher seien, gäbe es keine Hinweise darauf, dass das einem sich normal ernährenden Verbraucher Vorteile brächte. Pestizide "keinerlei Risiko"? Kritik ließ nicht lange auf sich warten: Die Frage, wie es denn mit der Belastung durch Pestizide, Herbizide und Fungizide im Vergleich zwischen Bio und konventionell aussähe, hatten die Briten nämlich bewusst ausgeschlossen. In einem offenen Brief, der auf die Veröffentlichung folgte, rechtfertigt sich Chief Executive Tim J. Smith für dieses Vorgehen: Pestizide und ihre Rückstände würden so sorgfältig überwacht, dass ihr Einsatz keinerlei Risiko für die Gesundheit berge. Professor Hartmut Vogtmann, Vizepräsident des Deutschen Naturschutzrings (DNR), widerspricht vehement: "Dabei sind die negativen chronischen Auswirkungen bereits geringer Konzentrationen dieser Schadstoffe für Kleinkinder längst bekannt." Pestizid-Rückstände, die die gesetzlichen Grenzwerte teilweise sogar überschritten, fand Greenpeace erst im Oktober in Gewürzen und getrockneten Kräutern, weshalb Greenpeace Chemie Experte Manfred Santen in diesem Zusammenhang rät: "Greifen Sie lieber zu Bio-Produkten." Der Bericht zur Lebensmittelsicherheit des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) 2008 kommt zu dem Schluss: 96% aller untersuchten Proben von Bio-Produkten seien komplett rückstandsfrei gewesen, Mehrfachbelastungen seien überhaupt nicht vorgekommen. ![]() Studien bewusst ausgeschlossen Aber auch innerhalb des selbst gesteckten Rahmens der Untersuchung der FSA bestehen Zweifel an der Aussagekraft der Ergebnisse. Helmut Röscheisen, Generalsekretär des DNR, kritisiert, dass gezielt Studien ausgeschlossen worden seien, die einen höheren Gehalt von bioaktiven Stoffen bei Bio-Obst belegten. Selbst die FSA erwähnt in ihrem Fazit, dass es aufgrund dünner Datenlage Bedarf für weitere Forschung gäbe. Eigentlich erstaunlich: Denn zu diesem Zeitpunkt waren die Ergebnisse des europäischen Großforschungsprojekts QLIF ("Improving quality and safety and reduction of costs in the European organic and low input supply chains") in Forschungskreisen bereits zugänglich. Großforschungsprojekt zum Ökolandbau beantwortet viele Fragen Mit einer Laufzeit von fünf Jahren, einem Budget von 18 Millionen Euro (davon 12,4 Millionen von der EU-Kommission zur Verfügung gestellt) und 35 wissenschaftlichen Institutionen und Industriepartnern, die sich beteiligten, ist QLIF ein Ökoforschungsprojekt der Superlative, wie Urs Niggli, Direktor des Forschungsinstituts für biologischen Landbau FIBL und einer der beiden Koordinatoren des Projekts, stolz feststellt. QLIF widmete sich systematisch grundlegenden Fragen und aktuellen Problemen des Öko-Landbaus, unter anderem: Wie kann die Qualität von Bio-Produkten verbessert werden? Wie wird die Lebensmittelsicherheit garantiert? Was gibt es bei der Verarbeitung zu beachten? Wie können die Kosten der Erzeugung gesenkt werden und Bio-Produkte einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden? Mehr Vitamine, Antioxidanzien, Omega-3 Fettsäuren in Bio-Lebensmitteln Ein wesentliche Fragestellung war auch bei QLIF, ob pflanzliche und tierische Lebensmittel aus ökologischem Landbau ernährungsphysiologisch besser sind. Bei der Beantwortung der Frage verließ man sich allerdings nicht auf die Auswertung älterer Studien, sondern die Projektpartner führten selber Versuche mit Kohl, Salat, Tomaten, Kartoffeln und Getreide durch. Ihr Fazit ist eindeutig: Die ökologische Bewirtschaftung erhöhte bei zahlreichen pflanzlichen Erzeugnissen die Gehalte an gesundheitsfördernden Inhaltsstoffen wie Antioxidanzien, Vitaminen und weiteren bioaktiven Stoffen. Ursache dafür, stellten die Forscher fest, sei die organische Düngung, deren Wirkung bisher unterschätzt worden sei. Auch für Bio-Milch kommen die Forscher des QLIF-Projekts zu klaren Aussagen. Untersuchungen von Milchproben in England, Schweden, Dänemark und Italien zeigten höhere Gehalte von Vitaminen und Antioxidanzien, sowie an mehrfach ungesättigten Fettsäuren, z.B. Omega-3. Entscheidend für die Qualitätsunterschiede war die Fütterung: Wichtig war, dass die Tiere viel im Freien weiden konnten. ![]() Klare Argumente für Bio "Insgesamt besteht nun wissenschaftliche Klarheit, dass sich Öko-Produkte bezüglich wertgebender Bestandteile deutlich von konventionellen unterscheiden", fasst Urs Niggli zusammen. Die Ergebnisse der "ökologischen Exzellenz-Initiative" sollen in den kommenden Jahren Anbauern, Verarbeitern und Verbrauchern unmittelbar zugute kommen.
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